Ratgeber · Palettenregale
Gebrauchte Palettenregale und die Frage nach dem System
Woran man das System eines gebrauchten Palettenregals erkennt, warum ohne Typenschild keine Last belegt ist und wann Teile verschiedener Hersteller zusammenpassen.
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Unter den Suchvorschlägen zu gebrauchten Palettenregalen stehen neben Kleinanzeigen und Regionen auch „palettenregal hersteller erkennen", „palettenregal identifizieren" und „palettenregal bezeichnungen". Wer ein gebrauchtes Regal kaufen will, weiß offenbar oft nicht, was er vor sich hat.
Das ist mehr als eine Frage der Ersatzteile. Was ein Palettenregal tragen darf, steht in der Belastungstabelle eines bestimmten Herstellers, und sie gilt für bestimmte Stützen, bestimmte Traversen und eine bestimmte Anordnung. Wer den Hersteller nicht kennt, kennt auch die Last nicht.
Dieser Ratgeber zeigt, woran sich ein System erkennen lässt, was auf dem Schild stehen muss, wann Teile zusammenpassen und wie Schäden vor dem Kauf einzustufen sind. Jede Aussage ist gegen eine zweite Stelle geprüft: die Unterlagen der Hersteller gegen die Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, eine Bauartgenehmigung gegen die Montageanleitung.
Vor dem Kauf eines gebrauchten Regals
- Hängt ein Schild mit Hersteller, Typ und Lasten am Regal?Die DGUV Information 208-061 verlangt es an jedem ortsfesten Regal. Fotografieren, bevor abgebaut wird.
- Lässt sich das System einem Hersteller zuordnen?Über Schild, Lieferschein oder Anleitung, sonst über Stützenprofil, Lochung und Hakenlaschen, bestätigt vom Hersteller.
- Stammen alle Teile aus demselben System?Mischungen nur mit Herstellerbeleg; eine allgemeine Kompatibilität gibt es nicht.
- Wie sind Stützen, Verbände und Traversen beschädigt?Nach der Ampel der DGUV 208-043 einstufen; rot und gerissene Schweißnähte schließen den Kauf aus.
- Liegen Montageanleitung und Belastungstabelle vor?Ohne sie lässt sich das Regal weder richtig aufbauen noch neu kennzeichnen.
Die Frage hinter der Suche
Die übrigen Suchvorschläge zeigen, wonach Käufer gebrauchte Regale sortieren: nach Tiefe („80 cm tief"), nach Oberfläche („verzinkt"), nach Region und gelegentlich nach Hersteller („jungheinrich gebraucht"). Gefragt wird außerdem nach Einzelteilen, nach Traversen, Ständern und Gitterrosten. Die Suchergebnisse führen zu Kleinanzeigen und zu Händlern für gebrauchte Lagertechnik.
Für ein Regal, das man mit der Hand belädt, wäre das eine Nebensache. Ein Palettenregal trägt mehrere Tonnen je Feld, und die Zahl stammt aus einer Bemessung, die der Hersteller für sein System durchgeführt hat.
Die Bauartgenehmigung des Deutschen Instituts für Bautechnik für das Jungheinrich-System MPB zeigt, wie eng diese Bindung ist. Sie gilt für die Bauteile des Mehrplatzpalettenregalsystems MPB der Firma Jungheinrich, nicht für Palettenregale allgemein, und sie legt die Querschnitte der Stützen, die Werkstoffe und die Verbindungen fest.
Für ein gebrauchtes Regal heißt das: Die erste Frage ist nicht, ob es noch gut aussieht. Die erste Frage ist, zu welchem System es gehört.
Wer noch unsicher ist, ob ein Palettenregal überhaupt die richtige Bauform ist oder ob ein Weitspann- oder Kragarmregal besser passt, findet die Abgrenzung in der Übersicht, welche Regalbauarten es für Paletten gibt. Dieser Ratgeber setzt voraus, dass es ein verstellbares Palettenregal aus Rahmen und Traversen sein soll.
Die folgenden Abschnitte gehen vom sichersten Beleg zum schwächsten. Zuerst das Schild, dann die Bauteile, dann der Zustand, dann die Unterlagen.
Das Schild am Regal
Die DGUV Information 208-061 schreibt vor, welche Angaben an einem ortsfesten Regal deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein müssen. Die Liste ist kurz:
- Hersteller oder Einführer
- Typbezeichnung
- Baujahr oder Kommissionsnummer
- zulässige Fach- und Feldlasten
- maximale Last der Ladeeinheit
- gegebenenfalls elektrische Kenndaten
Für den Gebrauchtkauf sind die ersten drei Zeilen die wichtigsten. Hersteller und Typ führen zur Belastungstabelle, die Kommissionsnummer zu den Unterlagen des ursprünglichen Auftrags. Welche Angaben die DGUV darüber hinaus für Anfahrschutz und Kennzeichnung verlangt, steht im Ratgeber, was nach der DGUV am Palettenregal angeschrieben sein muss.
Wie so ein Schild bei einem Hersteller aussieht, zeigt das Muster in der Montageanleitung von hofe für das System GRAVIS. Es nennt Baujahr, Kommissionsnummer, Stützrahmenprofil, Trägerprofil, maximale Fachlast, maximale Feldlast und maximale Fachhöhe. Darunter steht, dass die Belastungen nach DIN EN 15512 ausgelegt sind und bei gleichmäßig verteilter Last und mindestens zwei Trägerpaaren je Feld gelten.
Mit Stützrahmen- und Trägerprofil enthält das hofe-Schild genau die beiden Angaben, die man beim Nachkauf von Teilen braucht. Ein Schild nach diesem Muster ist für den Gebrauchtkauf mehr wert als jede Beschreibung in der Anzeige.
Die Hersteller liefern die Schilder mit. hofe schreibt im Katalog vor, an jeder Regalzeile die mitgelieferten Traglastschilder anzubringen; Schulte verweist für die Belastung pro Fach und Feld auf das Typenschild.
Das Schild sollte vor dem Abbau fotografiert werden, zusammen mit der Regalzeile, an der es hängt. Nach dem Abbau lässt es sich keiner Zeile mehr zuordnen.
Ein Schild ist allerdings kein Zustandsnachweis. Es beschreibt das Regal so, wie es aufgebaut und bemessen wurde. Wurde danach umgebaut, eine Ebene ergänzt oder eine Traverse getauscht, kann es veraltet sein.
Ohne Schild keine belegte Last
Fehlt das Schild, fehlt mehr als ein Etikett. Fach- und Feldlast eines Palettenregals hängen am Traversenprofil, an der Fachhöhe, an der Zahl der Ebenen und an der Zahl der Felder nebeneinander.
Wie stark, zeigt der Ratgeber, warum dieselbe Traverse je nach Ebenenzahl weniger trägt. Bei hofe fällt die Fachlast einer 2.700-mm-Traverse von 3.000 kg bei vier Ebenen auf 2.200 kg bei sechs, bei Schulte trägt dieselbe Länge je nach Holmtyp zwischen 1.545 und 3.750 kg je Paar.
Eine Zahl in der Anzeige ersetzt die Tabelle nicht. Sie kann für eine andere Ebenenzahl gegolten haben, für eine andere Fachhöhe oder für eine längere Regalzeile, von der jetzt nur ein Teil verkauft wird.
Gerade der letzte Punkt betrifft fast jeden Gebrauchtkauf. Die Hersteller geben ihre Lasten für Regalzeilen mit mehreren Feldern an. Schulte setzt eine Regalzeile aus mindestens drei Feldern voraus, hofe mindert die Rahmenlast unter vier Feldern. Wer aus einer langen Zeile zwei Felder kauft, kauft ein Regal mit geringerer Last als auf dem alten Schild.
Die DGUV Information 208-043 nennt dafür eine allgemeine Größenordnung. Je nach Bauart muss bei Regalen, die nicht mit Verbänden ausgesteift sind, die Tragfähigkeit bei weniger als vier Feldern um bis zu 30 Prozent reduziert werden.
Eine eigene Bemessung ist für den Käufer keine Lösung. Die Bauartgenehmigung für das Jungheinrich-System enthält Bemessungswerte für Stützen, Träger und Verbindungen, aber keine Tabelle, aus der ein Laie seine Fachlast ablesen könnte. Die Statik ist Sache des Herstellers.
Für ein Regal ohne Schild bleiben deshalb zwei Wege. Entweder wird das System über die Bauteile und den Hersteller eindeutig zugeordnet, dann gilt dessen Tabelle. Oder es bleibt unbekannt, dann gibt es keine belegte Last.
Stütze, Lochung, Raster
Ohne Schild ist die Stütze das wichtigste Erkennungsmerkmal. Sie ist das Bauteil, das die Hersteller am stärksten voneinander unterscheidet.
Die DIBt-Genehmigung beschreibt die Stützen des Jungheinrich-Systems genau. Zwei vertikale Stützenprofile aus Stahl werden über Fachwerkdiagonalen und gegebenenfalls Horizontalstäbe zu Ständerrahmen verschraubt. Die Stützen sind dünnwandige, kaltgeformte, Ω-förmige Querschnitte, durch Rollformung hergestellt und über die ganze Länge gelocht. Die Fachwerkstäbe bestehen aus ungelochten C-Profilen.
Für den Ständer B'12 nennt die Genehmigung die Maße: 85 mm breit, 64,75 mm tief, 1,75 mm Blechdicke, Stahl S355MC. Solche Werte lassen sich am gebrauchten Rahmen mit Messschieber nachmessen und mit den Unterlagen vergleichen.
hofe beschreibt die Stützrahmen von GRAVIS anders. Sie werden grundsätzlich mit einer Profilstärke von 2,0 mm geliefert, die Einhängeverbindung schließt an konische Ständerlochungen an, und die Auflageträger lassen sich im Raster von 70 mm verstellen.
Bei Schulte lassen sich die Holme laut Shop im Raster von 50 mm verstellen. Das Verstellraster ist damit ein schneller Hinweis: Wer den Abstand zwischen zwei Einhängepositionen misst, kann Systeme ausschließen, auch wenn er sie noch nicht bestimmen kann.
Weitere Merkmale sind die Form der Lochung, die Fußplatte und die Art, wie die Diagonalen angeschlossen sind. hofe nennt für die Fußplatte eine Materialstärke von 5 mm; jede nimmt eine halbe Feldlast auf, beim Endrahmen nur ein Viertel.
Eine sichere Zuordnung ist das alles nicht. Ähnliche Profile und gleiche Raster schließen verschiedene Hersteller nicht aus, und das Raster allein sagt nichts über die Blechdicke. Die Messwerte sind Hinweise, mit denen man beim Hersteller nachfragt, kein Ersatz für dessen Antwort.
Traverse, Hakenlasche, Sicherungsstift
Das zweite Erkennungsmerkmal ist die Traverse, genauer ihr Ende. Dort sitzt das Teil, mit dem sie in die Stütze eingehängt wird.
Beim Jungheinrich-System sind nach der DIBt-Genehmigung am Ende jeder Traverse Stirnplatten in Form von Hakenlaschen quer zur Trägerrichtung angeschweißt. Diese Laschen sind Winkelprofile, deren äußerer Schenkel über die Traverse hinausreicht und hakenförmige Abspreizungen hat. Sie werden in die Lochung der Stützen eingehängt und durch Sicherungsstifte gegen Ausheben gesichert.
hofe beschreibt seine Auflageträger mit angeschweißten Dreihakenklauen und Aushebesicherung. Zu jedem Träger gehören zwei verzinkte Sicherungsstifte.
Die Zahl der Haken, ihr Abstand und ihre Form müssen zur Lochung der Stütze passen. Hier entscheidet sich, ob eine Traverse überhaupt in einen fremden Rahmen passt.
Das Profil der Traverse bestimmt ihre Last. hofe führt für GRAVIS drei Träger: 1.825 mm mit 80 × 50 mm, 2.700 mm mit 110 × 50 mm und 3.600 mm mit 160 × 50 mm Profil. Schulte nennt für 2.700 mm vier Holmtypen von LNS-DUO 100 × 50 × 1,5 bis EGN-DUO 150 × 50 × 1,5.
Am gebrauchten Träger lassen sich Höhe, Breite und Länge messen, die Blechdicke oft nur an der Stirnseite. Die Bezeichnung des Profils steht nicht immer auf dem Teil selbst.
Bleibt der Sicherungsstift. Er ist klein und geht beim Abbau leicht verloren. Schulte verlangt, nach Aufbau und Umbau nur die Original-Sicherungsstifte einzusetzen. Wer gebraucht kauft, zählt die Stifte mit und bestellt fehlende beim Hersteller nach.
Was Bestellnummern und Typen verraten
Manche Hersteller schreiben die wichtigsten Maße in die Bestellnummer. Wer eine alte Rechnung, einen Lieferschein oder ein Etikett findet, kann daraus oft mehr ablesen als aus jeder Anzeige.
Bei hofe ist das System im Katalog gut zu lesen. Ein Stützrahmen heißt etwa PH-SRZ-3360-1100: Rahmen, 3.360 mm hoch, 1.100 mm tief. Ein Träger heißt PH-RTP-110-2700: Auflageträger mit 110 mm Profilhöhe, 2.700 mm lang. Die Komplettregale tragen Nummern wie PH-GRK-331157-4.
Die Rahmenhöhen von GRAVIS reichen im Katalog von 2.100 bis 7.140 mm, in Stufen von 630 mm. Das sind genau neun Schritte des Verstellrasters von 70 mm.
Eine Rahmenhöhe, die nicht in diese Reihe passt, ist ein Hinweis darauf, dass der Rahmen nicht von hofe stammt oder gekürzt wurde. Ein Beweis ist sie nicht, denn der Katalog zeigt nur den aktuellen Stand.
Bei Schulte stecken die Unterschiede im Rahmentyp. Die Montageanleitung führt die Ständerrahmen S610-M18, S625-A18, S635-B20 und S645-B25. In der Skizze zur Fußplattenmontage ist der S610-M18 mit 76 mm Breite gezeichnet, die drei anderen mit 100 mm.
Gleich breit heißt nicht gleich belastbar. Bei 1.000 mm Fachhöhe und zwei Holmebenen nennt Schulte für den S625-A18 eine Feldlast von 6.930 kg, für den S635-B20 8.570 kg und für den S645-B25 10.825 kg.
Zwischen dem schwächsten und dem stärksten dieser drei Rahmen liegen damit fast 4.000 kg Feldlast, bei derselben Breite. Ohne Typbezeichnung ist der Unterschied am gebrauchten Rahmen kaum zu erkennen.
Die Profile der Traversen sind bei Schulte nach dem Muster Höhe × Breite × Blechdicke bezeichnet, etwa EGN-DUO 120 × 50 × 1,5. Bei Jungheinrich nennt die DIBt-Genehmigung für den Ständer B'12 die Maße 85 × 64,75 × 1,75 mm. Solche Angaben helfen beim Nachmessen, ersetzen aber nicht die Typbezeichnung.
Teile verschiedener Hersteller
Auf dem Gebrauchtmarkt stellt sich oft die Frage, ob Traversen eines Herstellers in die Rahmen eines anderen passen. Mechanisch kann das gelingen, wenn Lochung und Haken zufällig zusammenpassen. Ob die Verbindung dann trägt, ist eine andere Frage.
Die Bemessung eines Palettenregals hängt an der Verbindung zwischen Stütze und Traverse. Die DIBt-Genehmigung für Jungheinrich schreibt, dass die Rotationssteifigkeit der Verbindung am Stützenfuß und am Anschluss Stütze–Träger die Aussteifung in Längsrichtung gewährleistet. Eine Traverse mit anderen Haken verändert genau diese Steifigkeit.
Unter den Unterlagen, die für dieses Cluster gelesen wurden, gibt es eine einzige Herstelleraussage zur Kompatibilität. hofe schreibt im Katalog, GRAVIS sei kompatibel mit den SLP-Palettenregal-Systemen, und bittet Betreiber eines SLP-Lagers, die erweitern wollen, um Kontaktaufnahme.
Auch diese Aussage ist eine Einladung zur Rückfrage, keine Freigabe für jede Kombination. Welche Lasten für gemischte Felder gelten, steht nicht im Katalog.
Für alle anderen Paarungen gilt das Gegenteil: Ohne Aussage des Herstellers ist eine Mischung nicht belegt. hofe verbietet in der Montageanleitung eigenmächtige Reparaturen ohne Zustimmung des Herstellers oder ohne Originalbauteile.
Die DIBt-Genehmigung formuliert dasselbe für den Schadensfall. Beschädigte Bauteile sind vorzugsweise durch Originalbauteile zu ersetzen. Ist das im Einzelfall nicht möglich, muss der Standsicherheitsnachweis unter Berücksichtigung der Reparaturmaßnahme überprüft werden.
Ein gebrauchtes Regal sollte deshalb aus einem System stammen. Wer zwei Posten verschiedener Herkunft kombinieren will, braucht dafür die Zustimmung eines Herstellers oder einen Nachweis, und beides ist für einen Laien schwer zu bekommen.
Schäden vor dem Kauf einstufen
Ein Palettenregal aus einem Lager mit Staplerverkehr hat fast immer Spuren. Die DGUV Information 208-043 schreibt dazu, dass das Anfahren durch das Flurförderzeug bei der Bemessung in der Norm in keiner Weise berücksichtigt ist.
Für die Einstufung von Schäden an Stützen und Verbänden gibt die 208-043 die Ampel der DIN EN 15635 wieder. Die grüne Stufe endet bei einer Stütze bei 3 Millimetern Abweichung auf einem Meter Länge quer zur Gassenrichtung und bei 5 Millimetern in Gassenrichtung. Bei Verbänden liegt die Grenze bei 10 Millimetern je Meter.
Doppelte Werte markieren die Grenze der orangen Stufe. Darüber ist der Schaden rot.
Grün bedeutet nach der DGUV, dass nur eine Überwachung erforderlich ist und die Tragfähigkeit nicht gemindert werden muss. Orange ist eine gefährliche Beschädigung, die baldmöglichst behoben werden muss. Rot ist eine sehr schwere Beschädigung; das Regal ist umgehend zu entlasten und zu sperren.
Für den Gebrauchtkauf heißt das: Ein Bauteil der roten Stufe wird nicht gekauft, eines der orangen nur, wenn es ersetzt wird. Gemessen wird mit einer Messlatte von einem Meter, angelegt an die Stütze.
Farbmarkierungen an einem gebrauchten Rahmen können Teil dieser Einstufung sein. Nach der 208-043 sind auch Schäden der grünen Stufe zu kennzeichnen, zum Beispiel durch farbliche Markierung, und zu dokumentieren. Eine markierte Stütze ist deshalb ein Grund, nach dem Prüfprotokoll des Vorbesitzers zu fragen.
Für die orange Stufe enthält die 208-043 eine Regel, die beim Kauf leicht übersehen wird. Werden Regale mit Schäden dieser Stufe entlastet, dürfen sie vor der Instandsetzung nicht erneut belastet werden. Ein Regal, das wegen eines solchen Schadens geräumt und dann verkauft wurde, ist ohne Reparatur nicht wieder einsetzbar.
Zwei Schäden schließen den Kauf auch ohne Messung aus. Bei gerissenen Schweißnähten ist nach der 208-043 eine Reparatur nur möglich, wenn genaue Kenntnisse über die Werkstoffe vorliegen; sonst und bei Rissen im Grundmaterial sind die Stützen auszuwechseln.
Unsachgemäßes Schweißen an Regalstützen verändert das Gefüge im Material, was zu erheblichen Tragfähigkeitsverlusten führt. Eine Stütze mit Schweißspuren, deren Herkunft niemand belegen kann, gehört nicht ins neue Regal.
An den Traversen schreibt hofe vor, durch Anfahren beschädigte Träger sowie Träger mit beschädigten Einhängeklauen oder gerissenen Schweißnähten auszutauschen. Schulte verlangt allgemein, ein durch unsachgemäße Bedienung sichtbar verformtes Bauteil umgehend auszuwechseln.
Wie diese Einstufung im laufenden Betrieb wiederkehrt und wer sie vornehmen darf, beschreibt der Ratgeber, wie oft ein Palettenregal im Betrieb geprüft werden muss. Beim Gebrauchtkauf ist es die erste dieser Prüfungen.
Reparieren lassen, mit Nachweis
Nicht jedes beschädigte Teil muss in den Schrott. Die DGUV Information 208-043 widmet der Instandsetzung einen eigenen Abschnitt: Beschädigte Regalbauteile können durch neue ersetzt oder instand gesetzt werden.
Die DIN EN 15635 ist dabei strenger, als die DGUV es heute auslegt. In Abschnitt 9.7.1 der Norm heißt es nach der Wiedergabe in der 208-043, Reparaturen an beschädigten Bauteilen seien nicht zulässig, es sei denn, der Lieferant der Einrichtung habe sie genehmigt.
Am 16. Februar 2011 befasste sich ein Fachausschuss der Unfallversicherung mit dieser Forderung, unter Beteiligung von Regalherstellern und Reparaturfirmen. Das Ergebnis gibt die 208-043 wieder: Reparaturen an Regalen dürfen grundsätzlich auch von Firmen durchgeführt werden, die nicht der Hersteller sind, auch ohne dessen Zustimmung.
Die Voraussetzung ist ein Versprechen mit Beleg. Der Reparateur garantiert und bescheinigt dem Betreiber, dass die Tragfähigkeit mindestens so gut ist wie im Neuzustand. Auf Anforderung von Behörden oder Berufsgenossenschaft muss er einen Nachweis vorlegen, durch Berechnung oder Versuche.
Für den Gebrauchtkauf folgt daraus eine klare Unterscheidung. Ein Händler, der gebrauchte Regale aufbereitet, kann reparierte Teile verkaufen, wenn er die Tragfähigkeit bescheinigt. Ein Teil, das irgendwann jemand gerichtet oder verstärkt hat, ohne dass es eine Bescheinigung gibt, ist kein repariertes Teil im Sinne dieser Regel.
Die 208-043 erwähnt noch eine bauliche Lösung. Manche Hersteller bieten Regale an, bei denen der erste Meter der Stützen über Flansche mit der weiterführenden Stütze verschraubt ist. Nach einem Schaden lässt sich dieses Teil ohne großen Aufwand austauschen.
Abbauen, transportieren, neu aufbauen
Ein gebrauchtes Palettenregal wird fast immer abgebaut, transportiert und neu aufgestellt. Für diesen Schritt gelten dieselben Regeln wie für ein neues Regal.
Die DGUV Information 208-061 legt fest, dass Regale nur unter Beachtung der vom Hersteller mitgelieferten Aufbau- und Betriebsanleitungen durch besonders unterwiesene Personen aufgestellt und umgebaut werden dürfen. Gegebenenfalls ist der Hersteller oder Inverkehrbringer hinzuzuziehen.
Schulte schreibt in der Montageanleitung, dass bei Wiederaufbau oder Neumontage nach den Vorschriften und Angaben der Anleitung vorzugehen ist. Werden Fachhöhen oder die Aufstellung geändert, müssen die Belastungsangaben überprüft werden.
Für den neuen Standort gelten die Bodenanforderungen des Herstellers. hofe plant Palettenregale auf Betonböden der Mindestgüte C20/25 mit einer Mindeststärke von 200 mm, Asphalt und Verbundpflaster hält hofe für ungeeignet. Die Regale sind mit dem Boden zu verankern; bei hofe gehören Bodendübel zum Lieferumfang jedes Rahmens.
Ob alte Anker wiederverwendet werden dürfen, steht in den gelesenen Unterlagen nicht. Wer neu verankert, nimmt die Anker, die der Hersteller für das System nennt.
Beim Aufbau zählt auch, was zwischen den Rahmen sitzt. Nach der 208-043 müssen erforderliche Verbände vorhanden und an der richtigen Stelle angeordnet sein, und bei Doppelregalen sind Anordnung der Distanzstücke und Richtung der Verbände aus der Montageanleitung einzuhalten. Wer die Traversen anders anordnet als vorher, muss prüfen, ob die Verbände anders gesetzt werden müssen.
Schulte weist auf eine Stelle besonders hin. Eine Veränderung der Höhen, insbesondere des untersten Faches, verändert die zulässige Belastbarkeit der Ständer. Wer das gebrauchte Regal mit einer anderen untersten Fachhöhe aufbaut als der Vorbesitzer, kann das alte Schild nicht übernehmen.
Umbauten sind bei Schulte vorher mit dem Hersteller abzustimmen und dürfen nur durch geeignetes und geschultes Personal erfolgen, im unbeladenen Zustand. Dasselbe verlangt die 208-061 allgemein: Der Umbau von Regalen darf nur in unbeladenem Zustand erfolgen.
hofe gibt im Katalog einen Planungshinweis für den neuen Standort. Die stirnseitigen Ständer sollen mindestens 500 mm höher sein als die oberste Lagerebene, zum Schutz vor herabfallenden Gütern. Äußere Ständer an Ecken und Durchfahrten sind mit Rammschutzecken gegen Anprall zu schützen.
Nach dem Aufbau muss das Regal lotrecht stehen. Die 208-061 begrenzt die Abweichung der Stützen von der Lotrechten bei voller Beladung auf 1/200 der Stützenhöhe.
Im Betrieb kommt eine Prüfung dazu. Nach § 14 Absatz 1 der Betriebssicherheitsverordnung hat der Arbeitgeber Arbeitsmittel, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängt, vor der erstmaligen Verwendung von einer befähigten Person prüfen zu lassen. Die Prüfung muss vor jeder Inbetriebnahme nach einer Montage stattfinden, also auch nach dem Wiederaufbau eines gebrauchten Regals.
Für spätere interne Kontrollen enthält die 208-043 eine Erleichterung, die beim Gebrauchtkauf gerade nicht greift. Bei der internen Prüfung muss nicht kontrolliert werden, ob das Regal nach Montageanleitung aufgebaut ist, wenn die Regalgeometrie nie verändert wird. Ein Regal, das umgezogen ist, hat diese Voraussetzung verlassen, und die erste Prüfung am neuen Ort schließt den Aufbau ein.
Welche Unterlagen zum Regal gehören
Was zu einem gebrauchten Regal mitgegeben werden sollte, folgt aus den vorigen Abschnitten. Es sind vier Dinge, und jedes erfüllt einen Zweck.
Die Montageanleitung des Herstellers ist die Grundlage für Abbau, Aufbau und Umbau. Ohne sie lässt sich nicht prüfen, ob Verbände, Distanzstücke und Anker richtig sitzen. Die 208-043 nennt als ersten Prüfpunkt, ob das Regal entsprechend der Montageanleitung aufgebaut wurde.
Die Belastungstabelle ist die Grundlage für das neue Schild. Wer anders aufbaut als vorher, muss die Lasten neu bestimmen.
Der Lieferschein kann bei bauaufsichtlich zugelassenen Systemen mehr sein als ein Beleg über den Kauf. Für das Jungheinrich-System MPB schreibt die DIBt-Genehmigung vor, die Lieferscheine der Bauteile nach den Übereinstimmungszeichen-Verordnungen der Länder zu kennzeichnen. Ein solcher Lieferschein ordnet die Teile einem genehmigten System zu.
Die Genehmigung selbst ist befristet. Die Fassung für das System MPB vom 10. Juni 2024 gilt bis zum 29. Juni 2029. Wer ein gebrauchtes Regal eines zugelassenen Systems kauft, findet beim DIBt die aktuelle Fassung und darin die Beschreibung der Bauteile.
Die Prüfprotokolle zeigen, welche Schäden bekannt waren und was repariert wurde. Die 208-043 hält es für zweckmäßig, Reparaturen so zu dokumentieren, dass sich feststellen lässt, von wem und in welchem Umfang sie durchgeführt wurden.
Fehlen Anleitung und Tabelle, lassen sie sich oft beim Hersteller anfordern, wenn das System bekannt ist. hofe und Schulte stellen ihre Anleitungen frei zum Herunterladen bereit.
Fehlen sie und ist das System unbekannt, fehlt die Grundlage für alles, was nach dem Kauf kommt.
Die Gegenprobe beim Hersteller
Jeder Abschnitt dieses Ratgebers endet an derselben Stelle. Die Zuordnung eines gebrauchten Regals bestätigt am Ende der Hersteller.
Für die Anfrage braucht er das, was sich am Regal feststellen lässt: Fotos vom Schild, falls vorhanden, Rahmenhöhe und Tiefe, Stützenmaße und Blechdicke, Verstellraster, Traversenlänge und Profil, ein Foto der Hakenlasche und, wenn bekannt, die Kommissionsnummer.
Bestätigt der Hersteller das System, gilt seine Belastungstabelle, und er kann fehlende Teile, Sicherungsstifte und Schilder liefern. Bestätigt er es nicht oder ist der Hersteller nicht mehr zu finden, bleibt das Regal ohne belegte Last.
Bei einem neuen Regal ist diese Gegenprobe schon erledigt. Welche Sets mit Anleitung, Tabelle und Schildern im Karton kommen, vergleicht die Übersicht, welche neuen Palettenregale mit vollständigen Lastangaben geliefert werden.
Beim gebrauchten Regal ist sie der wichtigste Schritt vor dem Kauf, wichtiger als der Zustand, den man sieht.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich den Hersteller eines gebrauchten Palettenregals?
Darf ich Traversen eines anderen Herstellers in mein Palettenregal hängen?
Welche Last trägt ein gebrauchtes Palettenregal ohne Typenschild?
Darf ein beschädigtes Palettenregal repariert werden?
Muss ein gebrauchtes Palettenregal nach dem Aufbau geprüft werden?
Welche Schäden schließen einen Kauf aus?
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- Ersterstellung: Gebrauchtkauf von Palettenregalen über Systemerkennung, Typenschild, Bauteile, Schadenseinstufung, Reparatur und Wiederaufbau, belegt an DGUV 208-043 und 208-061, BetrSichV § 14, der DIBt-Bauartgenehmigung Z-14.8-695 (Jungheinrich MPB) sowie den Unterlagen von hofe und Schulte. Leitbefund: Die Last eines Palettenregals ist an Hersteller, Stützen- und Trägerprofil gebunden; ein gebrauchtes Regal ohne Schild und ohne Herstellerzuordnung hat keine belegte Last. Die einzige Herstelleraussage zur Kompatibilität im Feld ist hofe „kompatibel mit den SLP-Palettenregal-Systemen".
Verwendete Quellen
- [1]DGUV Information 208-043: Sicherheit von Regalen (Juni 2020) · abgerufen 2026-10-20
- [2]DGUV Information 208-061: Lagereinrichtungen und Ladungsträger (November 2023, Fassung Juli 2024) · abgerufen 2026-10-20
- [3]BetrSichV § 14: Prüfung von Arbeitsmitteln · abgerufen 2026-10-20
- [4]DIBt: Allgemeine Bauartgenehmigung Z-14.8-695, Palettenregalsystem MPB (Jungheinrich) · abgerufen 2026-10-20
- [5]hofe: GRAVIS Palettenregalsystem, Katalog 11/24 · abgerufen 2026-10-20
- [6]hofe: Montageanleitung Palettenregale GRAVIS RTP (2025) · abgerufen 2026-10-20
- [7]Schulte: Palettenregal 3 Felder à 2.700 mm, 46836-N · abgerufen 2026-10-20
- [8]Schulte: Montageanleitung Palettenregale 13048 · abgerufen 2026-10-20