Ratgeber · Poolbeleuchtung
Was bedeutet die 8 in IP68 wirklich?
Zehn geprüfte Poolleuchten werben mit IP68, keine nennt die Eintauchtiefe. Warum die zweite Kennziffer ohne Bedingung unvollständig ist — und was IPX8 anders macht.
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Auf dem Datenblatt einer Poolleuchte steht „Gehäuse: IPX8". Kein Tippfehler, sondern eine Angabe mit einer Lücke an der ersten Stelle — und ausgerechnet dieses Produkt ist das einzige von zehn geprüften, das überhaupt eine Tiefe nennt.
Die neun anderen werben mit IP68. Zwei Ziffern, beide gesetzt, keine Lücke. Und doch ist ihre Angabe unvollständiger als die mit dem X, denn die Ziffer 8 verlangt etwas, das keines von ihnen liefert: die Bedingungen, unter denen sie gilt.
Dieser Text geht den IP-Code Ziffer für Ziffer durch, erklärt den Unterschied zwischen 7 und 8, zeigt, was an dieser Stelle regelmäßig verwechselt wird — und warum der Normgeber im Jahr 2019 eine eigene Berichtigung herausgegeben hat, die nichts anderes tut, als genau diese beiden Kennziffern zu erläutern.
Wie man eine Schutzartangabe liest
- Zwei Ziffern, zwei getrennte FragenDie erste beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung, die zweite den gegen Wasser. Sie sind unabhängig voneinander, und ein X an einer Stelle heißt nicht „schlecht", sondern „nicht geprüft".
- Die 8 ohne Tiefenangabe ist eine halbe AngabeDie höchste Wasserziffer steht für dauerndes Untertauchen unter Bedingungen, die zwischen Hersteller und Anwender zu vereinbaren sind. Ohne diese Bedingungen bleibt offen, wofür sie gilt — und keines der zehn geprüften Produkte nennt sie.
- Eine höhere Ziffer schließt die niedrigere nicht immer einBei den Wasserziffern gilt das ab 7 nicht mehr selbstverständlich: Ein Gehäuse, das dauerndes Untertauchen aushält, muss einen Strahl aus einer Düse nicht zwangsläufig aushalten. Wer beides braucht, braucht beide Angaben.
- Nicht jede Tiefenangabe gehört zur SchutzartIm geprüften Feld stehen zwei Tiefenangaben, und keine davon beschreibt das Gehäuse. Die eine gilt der Haltekraft eines Magneten, die andere der Funkreichweite einer Fernsteuerung.
- Was über das Gehäuse gesagt wird, ist oft aussagekräftigerVollverguss mit Harz, gehärtetes Glas mit Edelstahlschrauben, einteiliges ABS — solche Angaben beschreiben konkret, warum kein Wasser hineinkommt. Das ist mehr als eine Kennziffer ohne Bedingung.
Die Ziffer, die fehlt
Von zehn Poolleuchten, die für diesen Bereich geprüft wurden, tragen neun die Angabe IP68. Eine trägt IPX8. Auf den ersten Blick sieht die zehnte damit schlechter aus.
Das X ist kein Platzhalter für eine schlechte Note, sondern für eine Prüfung, die nicht stattgefunden hat. Wer ein Gehäuse ausschließlich auf Wasserdichtheit prüfen lässt und die Staubprüfung auslässt, darf die erste Stelle nicht mit einer Ziffer besetzen — er muss ein X schreiben.
Für eine Leuchte, die im Wasser hängt, ist das durchaus nachvollziehbar. Staub ist dort kein Thema, und die Prüfung kostet Geld. Das X ist in diesem Fall eine ehrliche Angabe.
Vergleichbares kennt man aus anderen Bereichen: Ein Gerät, das nur gegen Spritzwasser geprüft wurde, trägt an der ersten Stelle ebenfalls oft ein X, weil die Staubprüfung für seinen Einsatzzweck ohne Belang ist. Die Kennzeichnung ist dann nicht lückenhaft, sondern auf das Nötige beschränkt.
Interessanter ist, was dasselbe Datenblatt sonst noch nennt: eine Tiefe. Es ist die einzige Tiefenangabe des gesamten Felds — und sie bezieht sich, wie sich zeigen wird, gar nicht auf das Gehäuse.
Die neun Produkte mit IP68 dagegen nennen keine. Und genau das ist der Punkt, an dem die Angabe unvollständig wird.
Wie der IP-Code aufgebaut ist
Die Grundlage ist eine europäische Norm, die auf einer internationalen beruht: DIN EN 60529 / VDE 0470-1 in der Ausgabe von September 2014, „Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code)". Sie hat 55 Seiten und ersetzt die Ausgabe von 2000. Zuständig ist das Komitee K 212 „Schutzarten" der DKE.
Der Code besteht aus den beiden Buchstaben IP und zwei Kennziffern. Die erste beschreibt den Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper und gegen Berührung gefährlicher Teile, die zweite den Schutz gegen Wasser. Wo eine der beiden nicht geprüft wurde, steht ein X.
Die beiden Buchstaben stehen dabei nicht für „International Protection" im Sinne eines Markennamens, sondern für die Kennzeichnung selbst. Im deutschen Sprachgebrauch heißt der Begriff schlicht Schutzart — und er ist streng zu unterscheiden von der Schutzklasse, die eine ganz andere Frage beantwortet, nämlich die nach der Art des Schutzes gegen elektrischen Schlag.
Diese Verwechslung ist häufig und in dieser Warengruppe besonders folgenreich, weil beide Themen zugleich auftreten: Eine Poolleuchte braucht ein dichtes Gehäuse und eine Spannungsversorgung, die im Fehlerfall ungefährlich bleibt. Das eine beschreibt der IP-Code, das andere nicht.
Darüber hinaus kennt der Code zwei zusätzliche Buchstaben, die in der Praxis selten auftauchen: einen für den Berührungsschutz in besonderen Fällen und einen für ergänzende Angaben. Bei keinem der geprüften Produkte kommen sie vor.
Mit der Ausgabe von 2014 kam ein neuer Wasserschutzgrad hinzu — die Prüfung gegen Hochdruckreiniger. An den bestehenden Schutzgraden wurde dabei nichts geändert, weder an den Anforderungen noch an den Prüfungen; bestehende Einstufungen behielten ihre Gültigkeit.
Was dieser Text über die Norm sagt — und was nicht
Die erste Ziffer: Fremdkörper
Die erste Kennziffer reicht von 0 bis 6 und beschreibt zwei Dinge zugleich: wie gut das Gehäuse feste Fremdkörper draußen hält und wie gut es davor schützt, an gefährliche Teile zu greifen.
Die Skala folgt dabei einer nachvollziehbaren Logik: Sie beginnt mit großen Gegenständen und arbeitet sich zu immer kleineren vor. Was am Anfang die Hand ist, ist am Ende der Staubkorn-Bereich — und dazwischen liegen Finger, Werkzeuge und Drähte als Prüfgegenstände.
Am unteren Ende steht kein Schutz, in der Mitte geht es um Fremdkörper abnehmender Größe, und die beiden oberen Stufen betreffen Staub: Die vorletzte verlangt, dass Staub nur in unschädlicher Menge eindringt, die letzte, dass er gar nicht eindringt.
Für ein Bauteil, das dauerhaft unter Wasser sitzt, ist diese Ziffer nachrangig. Dort gibt es keinen Staub, und Berührungsschutz gegen gefährliche Teile ist bei einer Schutzkleinspannungsleuchte ein anderes Thema als bei einem Gerät am Netz.
Praktisch heißt das für einen Poolscheinwerfer: Die erste Ziffer ist die Angabe, auf die es am wenigsten ankommt — und ausgerechnet sie ist im Feld die einheitlichste. Neun von zehn Produkten setzen dort die höchste Stufe, ohne dass sie im Betrieb je gefordert würde.
Wichtig wird sie trotzdem in einem Fall: beim Transport, bei der Lagerung und in der Zeit, in der die Leuchte nicht im Wasser ist. Ein Aufstellbecken wird im Herbst geleert, und eine Leuchte, die den Winter im Gartenhaus verbringt, steht dann in einer ganz anderen Umgebung als im Juli.
Ein zweiter Aspekt der ersten Ziffer wird bei Poolleuchten praktisch nie erwähnt und ist trotzdem relevant: Sie beschreibt auch den Schutz davor, mit Fingern oder Werkzeug an stromführende Teile zu gelangen. Bei einer Leuchte, die man zum Reinigen in die Hand nimmt und deren Kabel man beim Winterabbau löst, ist das keine rein theoretische Größe.
Neun der zehn geprüften Produkte besetzen diese Stelle mit der höchsten Ziffer. Ob dafür tatsächlich geprüft wurde oder ob die Angabe aus der Produktfamilie übernommen ist, lässt sich von außen nicht feststellen.
Die zweite Ziffer: Wasser
Die zweite Kennziffer reicht von 0 bis 8 — seit 2014 gibt es zusätzlich eine neunte Stufe für Hochdruckreiniger — und beschreibt den Schutz gegen Wasser.
Die unteren Stufen betreffen Tropfwasser aus verschiedenen Richtungen, dann Sprühwasser, dann Spritzwasser, dann Strahlwasser aus einer Düse und starkes Strahlwasser. Erst die beiden obersten Stufen verlassen den Bereich des Wassers, das von außen auf das Gehäuse trifft, und betreffen das Untertauchen.
Die Reihenfolge ist dabei nicht willkürlich, sondern folgt der Belastung: Erst kommt Wasser, das von oben fällt, dann solches, das aus immer flacheren Winkeln trifft, dann solches mit Druck. Jede Stufe beschreibt eine Situation, die in der Praxis vorkommt — vom Regen bis zum Reinigungsstrahl.
Das ist der eigentliche Sprung in dieser Skala. Zwischen „starkes Strahlwasser" und „zeitweiliges Untertauchen" liegt nicht eine Steigerung, sondern ein Wechsel der Belastungsart: Ein Strahl drückt kurzzeitig punktuell, ein Wasserstand drückt dauerhaft gleichmäßig auf alle Dichtungen.
Zwischen den unteren Stufen gibt es dabei eine Systematik, die man kennen sollte: Sie unterscheiden sich in der Richtung, aus der das Wasser kommt, und im Druck, mit dem es auftrifft. Tropfwasser fällt senkrecht, Sprühwasser kommt schräg, Spritzwasser aus jeder Richtung, Strahlwasser mit Druck aus einer Düse.
Für einen Poolscheinwerfer zählt ausschließlich dieser obere Bereich. Alles darunter beschreibt Situationen, die an einem Bauteil unter Wasser nicht vorkommen.
Genau deshalb ist es bemerkenswert, dass alle geprüften Produkte die höchste Stufe beanspruchen — und keines die Angabe macht, ohne die sie unvollständig ist.
Was 7 und 8 unterscheidet
Die beiden obersten Wasserziffern werden regelmäßig als Rangfolge gelesen: acht sei besser als sieben. Das stimmt so nicht.
Zwei Stufen, zwei verschiedene Aussagen
Zweite Kennziffer 7
- zeitweiliges Untertauchen
- Tiefe und Dauer sind in der Norm festgelegt
- Angabe steht für sich
- vergleichbar zwischen Produkten
Zweite Kennziffer 8
- dauerndes Untertauchen
- Bedingungen legt der Hersteller fest
- Angabe ohne Bedingung unvollständig
- zwischen Produkten nur mit Bedingung vergleichbar
Der Unterschied liegt also nicht nur in der Dauer, sondern in der Art der Festlegung. Bei der niedrigeren der beiden Stufen sind die Prüfbedingungen vorgegeben — deshalb bedeutet die Ziffer bei zwei verschiedenen Produkten dasselbe.
Bei der höheren sind sie es nicht. Sie beschreibt einen Einsatz unter Bedingungen, die über die der vorherigen Stufe hinausgehen und die zwischen Hersteller und Anwender festzulegen sind. Ohne diese Festlegung sagt die Ziffer: „dauerhaft unter Wasser, unter Bedingungen, die hier nicht stehen".
Daraus folgt ein zweiter, oft übersehener Punkt: Eine 8 schließt eine 7 nicht automatisch ein, und weder die eine noch die andere schließt die Strahlwasserstufen darunter ein. Wer ein Gehäuse braucht, das sowohl untergetaucht als auch mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden darf, braucht beide Angaben.
Die Bedingung, die zur 8 gehört
Was genau zu der höchsten Wasserziffer angegeben werden muss, lässt sich an den geprüften Produkten selbst zeigen — nämlich daran, was dort fehlt.
Eine vollständige Angabe würde lauten: dauerndes Untertauchen bis zu einer bestimmten Tiefe über eine bestimmte Zeit. Beides zusammen beschreibt den Druck, dem die Dichtungen standhalten müssen, und die Dauer, über die sie das tun sollen.
Warum das zählt, wird an einer einfachen Überlegung klar: Wasser drückt mit etwa einem Zehntel bar je Meter Tiefe. Ein Gehäuse, das in einem halben Meter dicht ist, steht unter deutlich geringerem Druck als eines in fünf Metern — und beide dürften mit derselben Ziffer beworben werden, solange niemand die Bedingung dazuschreibt.
Bei einem Poolscheinwerfer ist die Tiefe selten das Problem
Hinzu kommt ein Effekt, den keine Kennziffer erfasst: Ein Gehäuse, das im Wasser hängt, erwärmt sich im Betrieb und kühlt nach dem Ausschalten ab. Dabei entsteht im Inneren ein Unterdruck, der Wasser durch jede kleinste Undichtigkeit hereinzieht. Das ist der Grund, warum mehrere Anbieter ihre Leuchten vollständig ausgießen — ohne Hohlraum gibt es nichts, was sich ausdehnen und zusammenziehen könnte.
Kritischer wird es bei der Dauer. Ein Poolscheinwerfer bleibt jahrelang im Wasser, und Dichtungen altern. Eine Angabe, die sich auf eine Prüfung von wenigen Stunden stützt, sagt über den fünften Sommer wenig.
Der Normgeber hat 2019 nachgeschoben
Dass an dieser Stelle etwas erläuterungsbedürftig ist, hat nicht erst dieser Text bemerkt.
Im Juni 2019 erschien eine Berichtigung 2 zu DIN EN 60529. Sie umfasst vier Seiten. Ihre Inhaltsangabe beim Herausgeber lautet, sie enthalte „eine zusätzliche Erläuterung der Schutzgrade gegen Wasser mit der Kennziffer 7 oder 8".
Das ist bemerkenswert. Eine Berichtigung wird nicht für Kleinigkeiten herausgegeben, und diese hier tut nichts anderes, als genau die beiden Kennziffern zu erläutern, um die es in diesem Text geht — fünf Jahre nach der Ausgabe, auf die sie sich bezieht.
Eine Berichtigung ist dabei etwas anderes als eine neue Ausgabe. Sie ändert die Norm nicht inhaltlich, sondern räumt Unklarheiten aus — und sie wird zusammen mit dem Hauptdokument gelesen. Wer die Norm hat, braucht sie zusätzlich, um den aktuellen Stand zu kennen.
Zum Vergleich: Die Berichtigung 1 aus dem Februar 2017 korrigiert Grenzmaße in einer Abbildung. Das ist der übliche Anlass für so ein Dokument. Eine zusätzliche Erläuterung zu zwei Kennziffern ist es nicht.
Was in diesen vier Seiten steht, sagt dieser Text nicht — sie sind kostenpflichtig und wurden nicht beschafft. Belegbar ist nur, dass es sie gibt und wozu sie laut Herausgeber da sind. Und das allein ist ein starkes Indiz dafür, dass die Verwechslungsgefahr an dieser Stelle auch dort gesehen wurde.
Zehn Produkte, keine Eintauchtiefe
Für diesen Bereich wurden zehn Leuchten aus beiden Bezugswegen einzeln geprüft. Bei jeder wurden drei Quellen gelesen: der Titel, sämtliche Aufzählungspunkte und die vollständige Datentabelle.
Kein einziges Produkt nennt eine Eintauchtiefe zur Schutzart. Auch nicht die Fachhandelsdatenblätter mit ihren vierzehn Kennwerten, die Farbwiedergabeindex, zulässige Umgebungstemperatur und Schaltzyklen führen.
Bemerkenswert ist dabei, dass es die Angabe in anderen Warengruppen durchaus gibt. Tauchpumpen, Unterwasserkameras und Armbanduhren werden regelmäßig mit einer Tiefe ausgewiesen, weil sie dort den Unterschied zwischen zwei Produkten ausmacht. Bei Poolleuchten scheint sich die Angabe nicht durchgesetzt zu haben — vermutlich, weil die Einbautiefe ohnehin gering ist.
Das ist kein Vorwurf an einzelne Anbieter, sondern ein Befund über die ganze Warengruppe. Wenn eine Angabe bei zehn von zehn Produkten über zwei Bezugswege hinweg fehlt, ist sie offenbar nicht üblich — auch wenn die Kennziffer sie voraussetzt.
Dieselbe Prüfung wurde im Nachbarbereich bereits einmal gemacht, mit einem vergleichbaren Ergebnis: Bei den Poolleitern fehlte über zwölf Produkte hinweg jede Werkstoffnummer, obwohl alle mit „Edelstahl" warben. Das Muster ist dasselbe — die Kennzeichnung wird übernommen, die Bedingung nicht.
Praktisch heißt das: Die Angabe IP68 taugt in dieser Warengruppe nicht zur Unterscheidung. Alle sagen dasselbe, und keiner sagt, was er damit meint.
Welche Produkte im Einzelnen welche Kennzeichnung führen, ist in den beiden Vergleichen aufgeführt — bei den PAR56-Poolscheinwerfern und bei den Poolleuchten für Aufstellbecken.
Die zwei Fundstellen, die keine sind
Zwei Tiefenangaben gibt es im geprüften Feld trotzdem. Beide sehen auf den ersten Blick wie eine Schutzartangabe aus, und beide sind etwas anderes.
Die erste steht bei einer Magnetleuchte für Aufstellbecken: „Einfache Montage dank magnetischer Befestigung bis 1 m Tiefe." Der Satz beschreibt die Haltekraft des Magneten, nicht die Dichtheit des Gehäuses. Dasselbe Produkt führt als Schutzart IPX8 — ohne Tiefe.
Die zweite steht in einem Fachhandelsdatenblatt: „Reichweite 50 m (Leuchten 0,5 m unter Wasser)." Hier geht es um die Funkreichweite der Fernsteuerung. Dass Wasser Funkwellen dämpft, ist der Grund für die Angabe — mit dem Gehäuse hat sie nichts zu tun.
Auffällig ist bei beiden, dass sie an einer Stelle stehen, an der man sie nicht sucht: im Fließtext eines Aufzählungspunkts statt in der Zeile zur Schutzart. Wer die Datentabelle liest, findet sie gar nicht.
Beide Fundstellen sind gute Angaben. Sie beantworten nur eine andere Frage, als es auf den ersten Blick scheint. Wer nach „Tiefe" sucht und fündig wird, sollte deshalb lesen, worauf sich die Zahl bezieht.
Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet das Produkt mit der unvollständig aussehenden Schutzart IPX8 dasjenige ist, das am meisten über seine Grenzen sagt: Wandstärke, Haltetiefe, Kabellänge, Salzwasserausschluss.
Warum IPX8 nicht weniger ist
Damit zurück zum Anfang: Ist IPX8 schlechter als IP68?
Bezogen auf Wasser: nein, beide beanspruchen dieselbe Stufe. Bezogen auf Fremdkörper: Die Angabe fehlt, und das heißt nicht „ungeschützt", sondern „nicht geprüft" oder „nicht erklärt".
Man kann die Frage auch umdrehen: Was würde eine 6 an erster Stelle bei einem Bauteil bedeuten, das ohnehin unter Wasser sitzt? Sie würde bestätigen, dass kein Staub eindringt — eine Aussage, die dort nichts beiträgt, weil es keinen Staub gibt.
Für eine Leuchte, die unter Wasser hängt, ist die zweite Ziffer die relevante. Ein Gehäuse, das dauerhaft unter Wasser dicht ist, wird gegen Staub kaum schlechter abschneiden — nur hat es dafür eben keine Prüfung durchlaufen.
Die Frage ist auch deshalb nachrangig, weil die erste Ziffer bei einer festeingebauten Leuchte kaum Konsequenzen hat. Anders wäre es bei einem Gerät, das offen im Garten steht und in dem sich Laub und Insekten sammeln könnten — bei einem Scheinwerfer in einer Nische unter Wasser ist das kein Szenario.
Es gibt sogar ein Argument für die ehrlichere Wirkung der X-Variante: Sie behauptet nur, was geprüft wurde. Eine durchgehende Doppelziffer, die bei zehn von zehn Produkten identisch lautet und bei keinem mit einer Bedingung versehen ist, sagt am Ende weniger.
Das ist kein Urteil über einzelne Produkte, und dieser Text stellt keines davon als normkonform oder als nicht normkonform dar. Er beschreibt, was auf den Seiten steht und was daraus folgt.
Salzwasser steht in keiner Kennziffer
Der IP-Code beschreibt Wasser. Er beschreibt nicht, was im Wasser gelöst ist — und das ist für ein Bauteil, das jahrelang in einem Becken hängt, die zweite entscheidende Frage.
Eine Dichtung, die gegen klares Leitungswasser hält, hält nicht automatisch gegen chloridhaltiges. Chloride greifen Metalle an, und sie quellen manche Elastomere anders auf als reines Wasser. Ein Gehäuse aus Edelstahl verhält sich in einem Becken mit Salzelektrolyse anders als in einem gechlorten.
Von zehn geprüften Produkten äußert sich zu dieser Frage genau eines — und es schließt Salzwasser aus. Ein zweites, ein PAR56-Einsatz, nennt ausdrücklich die Eignung für „Salz- und Meerwasserumgebung". Die übrigen acht sagen nichts.
Das Verhältnis ist damit acht zu zwei zugunsten des Schweigens — bei einer Frage, die für jeden Betreiber einer Salzelektrolyse kaufentscheidend ist.
Beide Aussagen stehen im Fließtext der Produktseiten, nicht in einem Datenfeld, und beide sind Herstellerangaben ohne Prüfbezug. Dieser Text gibt sie wieder und verallgemeinert nichts: Ein Schweigen ist keine Freigabe, und eine Freigabe im Bulletpoint ist kein Beständigkeitsnachweis.
Dasselbe Muster ist im Nachbarbereich schon einmal aufgetreten. Bei den Poolleitern schließen drei Anbieter Salzwasser ausdrücklich aus — darunter einer für eine Leiter aus hochlegiertem Edelstahl — und verweisen stattdessen auf Titan oder Bronze. Bei Leuchten ist die Lage entspannter, weil dort meist Kunststoff verbaut ist; die Frage bleibt trotzdem offen, solange niemand sie beantwortet.
Wer eine Salzelektrolyse betreibt, sollte die Frage deshalb vor dem Kauf klären. Wie diese Anlagen arbeiten und welche Salzgehalte dabei üblich sind, steht im Bereich Salzelektrolyse.
Was das Gehäuse verrät, wenn die Ziffer schweigt
Wenn die Kennziffer nicht unterscheidet, hilft ein Blick darauf, wie die Anbieter ihr Gehäuse beschreiben. Dort wird es konkreter — und dort unterscheiden sie sich tatsächlich.
Vier der geprüften Produkte nennen einen Vollverguss mit Harz. Das heißt, der Innenraum ist vollständig ausgegossen; es gibt keinen Hohlraum, in den Wasser eindringen könnte, und auch keinen, in dem sich Kondenswasser sammelt. Bei einem Bauteil, das zwischen Tag und Nacht Temperaturwechsel mitmacht, ist das ein echter Unterschied.
Ein Produkt nennt gehärtetes Glas mit Edelstahlschrauben und eine vollständig versiegelte Bauweise. Ein anderes ein einteiliges Gehäuse aus schlagfestem ABS mit Polycarbonat. Ein Fachhandelsprodukt nennt Edelstahl und Polycarbonat — der einzige Metallwerkstoff im ganzen Feld.
Das sind Angaben, mit denen sich etwas anfangen lässt. Sie sagen, warum kein Wasser hineinkommt, und nicht nur, dass keines hineinkommen soll.
Aufschlussreich ist auch, wie unterschiedlich ausführlich diese Beschreibungen ausfallen. Bei manchen Produkten steht ein ganzer Aufzählungspunkt zum Gehäuseaufbau, bei anderen nur das Wort „wasserdicht". Wer zwischen zwei Leuchten mit identischer Kennziffer schwankt, findet hier den ersten echten Unterschied.
Ein dritter Hinweis steckt in der Frage, ob sich eine Leuchte überhaupt öffnen lässt. Ein vollvergossenes Gehäuse ist nicht reparierbar — geht die Elektronik kaputt, ist das Bauteil hin. Das ist die Kehrseite der Dichtheit, und keine Produktseite spricht sie an. Bei einem Leuchtmittel, das in eine Nische gesteckt wird, ist das verschmerzbar; bei einer fest eingebauten Durchführungsleuchte weniger.
Ein zweiter Punkt betrifft die Kabeldurchführung. Sie ist bei jeder Unterwasserleuchte die kritische Stelle, weil dort das Gehäuse notwendigerweise durchbrochen ist. Zwei Produkte beschreiben eine trennbare Steckverbindung hinter der Durchführung — die erlaubt es, die Leuchte abzunehmen, ohne die Dichtung zu bewegen.
Die Norm für die Leuchte selbst
Neben dem IP-Code gibt es eine zweite Norm, die für diese Warengruppe einschlägig ist — und sie betrifft nicht das Gehäuse allgemein, sondern genau diese Art von Leuchte.
DIN EN IEC 60598-2-18 / VDE 0711-2-18 in der Ausgabe von April 2023 trägt den Titel „Leuchten — Teil 2-18: Besondere Anforderungen — Leuchten für Schwimmbecken und ähnliche Anwendungen". Sie hat 16 Seiten und ersetzt die Ausgabe von 2012.
Sie ist ein Teil einer Reihe: Der allgemeine Teil regelt Leuchten insgesamt, dieser Teil ergänzt die besonderen Anforderungen für Leuchten, die in oder an Wasser betrieben werden. Für die elektrische Installation am Becken verweist sie auf ein anderes Regelwerk.
Kein einziges der zehn geprüften Produkte nennt diese Norm. Was mehrere nennen, sind CE, RoHS, FCC, EMC und LVD — das sind Konformitätserklärungen des Herstellers beziehungsweise Richtlinien, unter die ein Produkt fällt, und keine Prüfnachweise Dritter.
Der Unterschied ist wichtig: Eine CE-Kennzeichnung bedeutet, dass der Hersteller erklärt, die einschlägigen europäischen Anforderungen einzuhalten. Sie ist keine Prüfplakette und wird von keiner unabhängigen Stelle vergeben. Wer sie auf einer Verpackung sieht, sieht eine Selbsterklärung.
Dieser Text leitet daraus nichts ab. Er hält fest, dass es für diese Produktgruppe eine eigene, aktuelle Norm gibt und dass sich im geprüften Feld niemand darauf beruft — genauso wie sich niemand auf die Bedingung beruft, die zur beworbenen Wasserziffer gehört.
Welche Anforderungen die elektrische Seite am Becken stellt, steht im Beitrag über Elektrik und Schutzbereiche, und was die Leuchte selbst an Spannung und Netzteil mitbringen muss, unter Schutzkleinspannung und Netzteil.
Was man daraus macht
Die praktische Konsequenz ist kürzer, als die Länge dieses Textes vermuten lässt.
Die Schutzartangabe taugt hier nicht zur Auswahl. Zehn von zehn Produkten beanspruchen dieselbe Wasserziffer, keines nennt die zugehörige Bedingung. Wer zwischen zwei Poolleuchten schwankt, findet in dieser Zeile keinen Unterschied.
Die Frage, was in der Norm steht, ist teuer beantwortet. Der Hauptteil umfasst 55 Seiten und ist kostenpflichtig, die beiden Berichtigungen kommen dazu. Für eine Kaufentscheidung am Gartenbecken lohnt sich das nicht — für einen Fachbetrieb, der eine Anlage plant, sieht die Rechnung anders aus.
Die Gehäusebeschreibung taugt dafür. Vollverguss, Werkstoff, Bauweise der Kabeldurchführung, trennbare Steckverbindung — das sind Angaben, die zwischen den Produkten tatsächlich verschieden sind.
Ein fehlendes X ist kein Makel. Wer IPX8 liest, liest eine Angabe, die weniger behauptet — nicht eine, die weniger kann.
Salzwasser gehört gefragt, nicht geschlossen. Der IP-Code sagt dazu nichts, und von zehn Produkten äußern sich zwei — eines dafür, eines dagegen.
Und eine Tiefenangabe will gelesen werden. Im geprüften Feld bezieht sich keine der beiden vorhandenen auf das Gehäuse.
Bei einem Einbauscheinwerfer kommt ein Bauteil hinzu, das keine Ziffer trägt: die Dichtung zwischen Einsatz und Nische. Sie ist das Teil, das nach Jahren im gechlorten Wasser hart wird, und über ihren Zustand sagt eine Schutzartangabe schon deshalb nichts, weil die sich auf den Neuzustand bezieht. Wann man sie zu sehen bekommt und worauf beim Wechsel sonst zu achten ist, steht unter Nische und Lampenwechsel.
Welche weiteren Angaben in dieser Warengruppe regelmäßig missverstanden werden — allen voran die Helligkeit — behandelt der Text über Lichtstrom, Watt und die Halogen-Angabe; den Überblick über alle Bauarten gibt der Hub zur Poolbeleuchtung.
Häufige Fragen
Was bedeutet die 8 in IP68?
Ist IPX8 schlechter als IP68?
Schließt IP68 den Schutz gegen Strahlwasser ein?
Warum gibt es eine Berichtigung zu den Kennziffern 7 und 8?
Ist die fehlende Tiefenangabe bei einem Poolscheinwerfer kritisch?
Woran erkenne ich ein wirklich dichtes Gehäuse?
Gibt es eine Norm speziell für Poolleuchten?
Was ist mit „bis 1 m Tiefe" auf einem Datenblatt?
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- Ersterstellung. Sperre C ist der Kern dieses Textes: Es wurde KEIN kostenpflichtiger Normtext beschafft, und es steht keine Zahl aus einem Normtext im Beitrag. Wiedergegeben werden ausschließlich Titel, Ausgabestand, Seitenzahl und die vom Herausgeber öffentlich veröffentlichten Inhaltsangaben von DIN EN 60529:2014-09, ihren beiden Berichtigungen und DIN EN IEC 60598-2-18:2023-04; ein eigener Achtung-Baustein hält das fest. Der Aufbau des IP-Codes wird allgemein beschrieben, ohne Prüfdrücke, Prüfzeiten oder Grenzwerte zu nennen. Der belegte Befund: Zehn geprüfte Produkte beanspruchen dieselbe Wasserziffer, keines nennt die zugehörige Bedingung — geprüft wurden je Produkt Titel, sämtliche Aufzählungspunkte und die vollständige Datentabelle. Die zwei Fundstellen, die wie eine Tiefenangabe aussehen, werden ausdrücklich als Magnethaltekraft und als Funkreichweite eingeordnet. Es wird kein Produkt als normkonform oder als nicht normkonform dargestellt (Sperre A); CE, RoHS, FCC, EMC und LVD werden als Herstellererklärungen beziehungsweise Richtlinien benannt und nicht als Prüfnachweise Dritter. Keine Installationsanleitung (Sperre B). Keine Preise.
Verwendete Quellen
- [1]DIN Media, Produktseite DIN EN 60529:2014-09 / VDE 0470-1:2014-09 — „Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code) (IEC 60529:1989 + A1:1999 + A2:2013); Deutsche Fassung EN 60529:1991 + A1:2000 + A2:2013", 55 Seiten, ersetzt DIN EN 60529:2000-09; mit der Ausgabe 2014-09 wurde der Schutzgrad IPX9 ergänzt, an den bisherigen Schutzgraden wurden keine Änderungen vorgenommen; zuständig DKE/K 212 „Schutzarten". Normtext kostenpflichtig, nicht beschafft · abgerufen 2026-09-12
- [2]VDE Verlag, Produktseite DIN EN 60529 (VDE 0470-1) Berichtigung 2:2019-06 — 4 Seiten; Inhaltsangabe wörtlich: „Diese Berichtigung enthält eine zusätzliche Erläuterung der Schutzgrade gegen Wasser mit der Kennziffer 7 oder 8 zu DIN EN 60529 (VDE 0470-1):2014-09" · abgerufen 2026-09-12
- [3]DIN Media, Produktseite DIN EN 60529 Berichtigung 1:2017-02 — Korrektur der Grenzmaße ohne Toleranzangabe in Bild 1 der Ausgabe 2014-09; zum Vergleich mit dem Anlass der Berichtigung 2 · abgerufen 2026-09-12
- [4]DIN Media, Produktseite DIN EN IEC 60598-2-18:2023-04 / VDE 0711-2-18:2023-04 — „Leuchten — Teil 2-18: Besondere Anforderungen — Leuchten für Schwimmbecken und ähnliche Anwendungen (IEC 60598-2-18:2022); Deutsche Fassung EN IEC 60598-2-18:2022", 16 Seiten, ersetzt DIN EN 60598-2-18:2012-09. Normtext kostenpflichtig, nicht beschafft · abgerufen 2026-09-12
- [5]Steinbach LED-Poolleuchte 060050, Produktseite B00651RTCA — „Gehäuse: IPX8" und „Einfache Montage dank magnetischer Befestigung bis 1 m Tiefe"; die einzige Tiefenangabe des Felds, und sie gilt der Haltekraft des Magneten · abgerufen 2026-09-12
- [6]MiBoxer PW01, Fachhandelsdatenblatt — vierzehn Kennwerte einschließlich Schutzart IP68, Umgebungstemperatur −20 bis +45 °C und CRI über 80 Ra; die Angabe „Reichweite 50 m (Leuchten 0,5 m unter Wasser)" bezieht sich auf die Funkreichweite der LoRa-Steuerung. Eine Eintauchtiefe zur Schutzart steht auch dort nicht · abgerufen 2026-09-12
- [7]COOLWEST PAR56 LED-Einsatz, Produktseite B01N41OOZ9 — „Tempered glass outer material, fully sealed design, corrosion resistance"; Gehäusebeschreibung als Beispiel für eine Angabe, die konkreter ist als die Kennziffer · abgerufen 2026-09-12
- [8]LyLmLe PAR56 LED-Einsatz, Produktseite B07PZD9WFD — „IP68 waterproof with internal seal", Gehäuse aus ABS und Polycarbonat, Zertifizierungsangabe „CE, RoHS, FCC, EMC, LVD, IP68"; Beispiel für die Nennung von Konformitätserklärungen und Richtlinien anstelle einer Produktnorm · abgerufen 2026-09-12