Ratgeber · Salzelektrolyse
Chlorproduktion, Beckengröße, Betriebsstunden — was sich rechnen lässt
Vier Rechnungen zur Auslegung einer Salzelektrolyse. Drei gehen auf. Die vierte nicht — weil keine der geprüften Quellen einen Chlorzehr veröffentlicht.
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Reicht eine Anlage mit acht Gramm Chlor je Stunde für ein Becken mit fünfzig Kubikmetern? Die Frage klingt nach einer Division, und die Produktseiten legen genau das nahe: Hier die Leistung, dort das Volumen, dazwischen ein Häkchen.
Rechnen lässt sich in diesem Feld tatsächlich einiges — die Tagesmenge, die Salzmenge für die Erstbefüllung, die Betriebsstunden bis zum Zellentausch. Diese drei Rechnungen gehen auf, und sie stehen weiter unten mit Zahlen.
Die vierte geht nicht auf. Wie viel Chlor ein bestimmtes Becken an einem bestimmten Tag zehrt, veröffentlicht keine der geprüften Quellen — kein Hersteller, kein Händler, und die Genehmigungsverordnung des Wirkstoffs erst recht nicht. Genau diese Zahl bräuchte man aber, um die Eingangsfrage zu beantworten.
Was sich vor dem Kauf rechnen lässt
- Die Tagesmenge aus Leistung mal LaufzeitGramm je Stunde mal tägliche Filterlaufzeit. Drei Gramm über acht Stunden ergeben mehr als fünf Gramm über vier — die Zeitschaltuhr wiegt schwerer als das Datenblatt.
- Die Salzmenge aus Volumen mal ZielsalzgehaltFünfzig Kubikmeter mal drei Gramm je Liter sind hundertfünfzig Kilogramm. Der Zielwert steht selten auf der Produktseite, aber immer in der Anleitung — beim Hersteller erfragen, bevor bestellt wird.
- Die Standjahre der Zelle aus Standzeit durch JahreslaufzeitAcht Stunden am Tag über eine Saison von fünf Monaten sind rund zwölfhundert Betriebsstunden im Jahr. Zehntausend Stunden reichen damit gut acht Saisons.
- Den Auslegungsfaktor gegenprüfenLeistung geteilt durch Beckenangabe. Liegt das Ergebnis zwischen 0,19 und 0,30, ist die Beckenangabe nur die Leistungszahl durch einen marktüblichen Faktor — sie enthält dann keine zusätzliche Information.
- Nicht rechnen: von Gramm je Stunde auf den eigenen BedarfDafür fehlt der Chlorzehr, und den veröffentlicht niemand. Diese Lücke lässt sich nicht durch eine Faustregel schließen, sondern nur durch Messen im ersten Betriebsmonat.
Was die Frage eigentlich ist
Eine Salzelektrolyseanlage erzeugt Chlor. Ein Becken verbraucht Chlor. Die Anlage passt, wenn sie in der Zeit, in der sie läuft, mindestens so viel erzeugt, wie das Becken in vierundzwanzig Stunden verbraucht.
Damit stehen drei Größen in der Gleichung: die Leistung der Anlage in Gramm je Stunde, die tägliche Laufzeit der Filterpumpe in Stunden und der Tagesverbrauch des Beckens in Gramm. Die ersten beiden sind bekannt oder leicht zu beschaffen. Die dritte ist es nicht.
Das Beckenvolumen kommt in dieser Gleichung nicht vor. Es taucht nur deshalb überall auf, weil es eine bequeme Ersatzgröße ist — und weil es die Frage beantwortet, die der Käufer im Kopf hat, bevor er sucht.
Ein zweiter Grund, warum das Volumen so prominent steht, liegt in der Herkunft der Sortimente. Die Baugrößen dieses Markts sind gestaffelt, und eine Staffel braucht eine Skala, an der der Käufer sich wiederfindet. Kubikmeter kennt jeder; Gramm Chlor je Stunde kennt niemand. Die Volumenangabe ist damit weniger eine technische Aussage als eine Übersetzung — sie führt den Käufer zur passenden Stufe innerhalb einer Baureihe.
Solange man innerhalb einer Marke bleibt, funktioniert das auch. Problematisch wird es beim Vergleich über Marken hinweg, weil dann zwei verschiedene Übersetzungen aufeinander treffen. Genau das lässt sich nachrechnen, und damit fängt dieser Text an.
Erste Rechnung: der Auslegungsfaktor
Fängt man mit dem an, was auf den Produktseiten steht, lässt sich eine Sache sofort prüfen: ob die beiden beworbenen Zahlen voneinander unabhängig sind. Dazu teilt man die eine durch die andere — Chlorproduktion geteilt durch Beckenvolumen — und schaut, ob dabei etwas Zufälliges herauskommt.
Über dreizehn Geräte aus sieben Marken und beiden Bezugswegen kommt nichts Zufälliges heraus. Die Werte liegen sämtlich zwischen 0,12 und 0,30 Gramm je Kubikmeter und Stunde; lässt man einen Ausreißer nach unten weg, bleibt eine Spanne von 0,19 bis 0,30.
Faktor 1,6Spannweite des Auslegungsfaktors über den ganzen Markt
Bei einer einzigen Artikelnummer lässt sich der Vorgang sogar direkt beobachten. Der Hersteller eines Geräts nennt bis sechzig Kubikmeter, der deutsche Händler zur selben Nummer fünfzehn bis vierzig. Der eine hat mit 0,20 gerechnet, der andere mit 0,30. Beide Faktoren liegen im marktüblichen Bereich, keiner hat sich verrechnet — es ist dieselbe Leistungszahl, durch zwei verschiedene Annahmen geteilt. Der Fall steht im Vergleich der fest verrohrten Anlagen mit beiden Quellen nebeneinander.
Warum die Beckengröße nichts hinzufügt
Wenn die Beckenangabe aus der Leistungsangabe hervorgeht, dann trägt sie keine Information, die nicht schon in der Leistungsangabe steckt. Das klingt nach einer Spitzfindigkeit, hat aber eine handfeste Folge: Wer zwei Geräte nach Beckengröße sortiert, sortiert sie nach ihrer Leistung — nur mit einem Rundungsfehler dazwischen.
Sichtbar wird das an den Zahlen selbst. Zwei Aufstellbecken-Geräte verschiedener Marken geben ihre Auslegung mit 26.500 und 26.498 Litern an. Der Unterschied beträgt zwei Liter. Beide meinen siebentausend US-Gallonen; die eine Marke rundet, die andere nicht.
26.498 lsiebentausend US-Gallonen, ausgerechnet
Wer in einer Suchmaske „bis 25.000 Liter" einstellt, findet keines der beiden Geräte, obwohl beide für ein solches Becken gebaut sind. Die Beckenangabe ist damit nicht nur redundant, sondern in Filtern auch irreführend.
Kurz gefasst
Zweite Rechnung: die Tagesmenge
Die erste Rechnung, die tatsächlich etwas Neues ergibt, ist die einfachste des ganzen Felds: Leistung mal Laufzeit. Eine Anlage mit fünf Gramm je Stunde, die acht Stunden mit der Filterpumpe läuft, erzeugt vierzig Gramm Chlor am Tag.
Die Zahl selbst ist trivial. Bemerkenswert ist, was sie über die Gerätewahl aussagt:
- 3 g/h über 8 Stunden ergeben 24 Gramm
- 5 g/h über 4 Stunden ergeben 20 Gramm
Das schwächere Gerät produziert mehr. Weil die Salzanlage im Kreislauf der Filterpumpe hängt und ohne deren Wasserstrom gar nicht anläuft, ist die Filterlaufzeit die eigentliche Stellgröße dieser Anlage. Sie steht in der Zeitschaltuhr und nicht im Datenblatt.
Daraus folgt eine unbequeme Beobachtung. Wer die Filterlaufzeit verkürzt, um Strom zu sparen, verkürzt im selben Maß die Desinfektion. Bei einer Anlage mit Chlortabletten sind beide Dinge getrennt; bei der Salzelektrolyse sind sie dasselbe.
Zu beachten ist außerdem, dass die Leistungsangabe für den Vollbetrieb gilt. Alle geprüften Geräte lassen sich in Stufen oder stufenlos herunterregeln, eines ausdrücklich in zwei Chlorierungsstufen, ein anderes über eine App in beliebigen Schritten. Wer eine Anlage auf sechzig Prozent fährt, erzeugt entsprechend weniger — die Zahl aus dem Datenblatt ist also eine Obergrenze und keine Betriebsgröße.
Das ist beim Auslegen eher ein Vorteil. Eine Anlage, die im Normalbetrieb auf halber Stufe läuft, hat für die erste Hitzewoche noch Luft nach oben, und die Zelle wird geschont, weil weniger Strom durch die Beschichtung fließt. Eine Anlage, die dauerhaft am Anschlag fährt, hat beides nicht.
Der fehlende Bezugspunkt
Bevor die Tagesmenge belastbar ist, muss allerdings geklärt sein, unter welchen Bedingungen die Leistungsangabe gilt. Und an dieser Stelle wird es im Fachhandel eigenartig.
Bei allen vier geprüften Fachhandelsgeräten heißt das Datenfeld gleich: Chlorproduktion bei 4 % Salzgehalt. Vier Prozent sind vierzig Gramm Salz je Liter, ungefähr die Konzentration von Meerwasser. Was dieselben Hersteller zwei Absätze weiter unten empfehlen, liegt bei einem, drei, vier und vier bis fünf Gramm je Liter.
8- bis 40-fachAbstand zwischen Bezugspunkt und Betriebspunkt
Eine Umrechnung ist hier nicht möglich, und dieser Artikel unternimmt sie deshalb nicht. Der Zusammenhang zwischen Salzkonzentration und Chlorausbeute ist nicht linear, und keine der geprüften Quellen veröffentlicht eine Kennlinie. Was bleibt, ist eine eingeschränkte Aussage: Die Angaben sind untereinander vergleichbar, weil alle denselben Bezugspunkt tragen. Zwanzig Gramm je Stunde sind mehr als acht. Der Schritt vom Datenblatt zum eigenen Becken ist damit aber nicht getan.
Dritte Rechnung: die Salzmenge
Diese Rechnung geht wieder auf, und sie ist die einzige des ganzen Felds, deren Ergebnis man sich vor der Bestellung ansehen sollte — weil sie in Kilogramm endet, die getragen werden müssen.
Beckenvolumen mal Zielsalzgehalt, das ist alles. Für ein Becken mit fünfzig Kubikmetern:
- bei 1 g/l Zielwert: 50 kg
- bei 3 g/l Zielwert: 150 kg
- bei 5 g/l Zielwert: 250 kg
Der Faktor fünf zwischen der Low-Salt-Bauart und der salzstärksten Anlage des Felds ist damit die folgenreichste Spanne des ganzen Marktes — folgenreicher als jede Leistungsangabe. Er entscheidet über die Menge bei der Erstbefüllung, über die Korrosionsbedingungen für alle Metallteile im Kreis und darüber, wie deutlich das Wasser überhaupt salzig schmeckt.
Der Haken liegt in der Beschaffung des Zielwerts. Bei den Aufstellbecken-Geräten nennt ihn keine einzige Produktseite; er steht erst in der Bedienungsanleitung, also nach dem Kauf. Bei den Fachhandelsgeräten steht er im Beschreibungstext. Welche Anforderungen an das Salz selbst gelten, ist eine eigene Frage — sie ist unter Salz als Biozidprodukt aufgeschlüsselt, und die Antwort fällt anders aus, als die Verpackungen vermuten lassen.
Eine zweite Eigenschaft dieser Rechnung wird in der Werbung selten erwähnt, obwohl sie den laufenden Aufwand bestimmt: Das Salz wird nicht verbraucht. In der Zelle wird Chlorid zu Chlor oxidiert; das Chlor desinfiziert und wird dabei wieder zu Chlorid reduziert. Der Stoff läuft also im Kreis, und die Menge im Becken bleibt gleich.
Salz verlässt das Becken nur mit Wasser. Beim Rückspülen des Filters, beim Überlaufen nach starkem Regen, mit dem, was Badende an nasser Haut und Textilien heraustragen. Nachgefüllt wird deshalb nicht nach Zeitplan, sondern nach Wasserverlust — und die Menge ergibt sich aus derselben Rechnung wie oben, nur mit dem nachgefüllten Volumen statt dem gesamten.
Umgekehrt heißt das auch: Wer zu viel eingebracht hat, bekommt es nicht durch Warten wieder heraus. Verdunstung nimmt Wasser mit und lässt das Salz zurück, der Gehalt steigt dabei sogar. Die einzige Korrektur ist Teilentleerung und Nachfüllen mit Frischwasser. Deshalb wird bei der Erstbefüllung besser in Schritten dosiert und zwischendurch gemessen, als die volle errechnete Menge auf einmal einzubringen.
Kurz gefasst
Vierte Rechnung: Betriebsstunden bis zum Zellentausch
Die Zelle ist das Verschleißteil dieser Bauart. Ihre Elektroden tragen eine Edelmetallbeschichtung, die im Betrieb elektrochemisch verbraucht wird; liegt das Titan darunter frei, entsteht kein Chlor mehr. Wo eine Standzeit in Betriebsstunden angegeben ist, lässt sich daraus eine Zahl von Saisons machen.
Der Rechenweg: tägliche Filterlaufzeit mal Betriebstage im Jahr. Acht Stunden über eine Badesaison von fünf Monaten ergeben rund zwölfhundert Betriebsstunden jährlich.
- 7.000 h Standzeit ≈ knapp 6 Saisons
- 8.000 h ≈ gut 6 Saisons
- 10.000 h ≈ gut 8 Saisons
- 18.000 h ≈ 15 Saisons
Die letzten beiden Zahlen stammen von demselben Gerät. Ein Hersteller nennt zwei Standzeiten und sagt dazu, wovon sie abhängen: zehntausend Stunden bei vierstündiger Umpolung, achtzehntausend bei achtstündiger. Das ist im ganzen geprüften Feld die einzige Angabe, die ihre eigene Bedingung mitliefert — und sie verändert das Ergebnis dieser Rechnung um beinahe das Doppelte. Was hinter dem Umpolintervall steckt und warum das lange nicht immer das bessere ist, steht unter Zelle, Salzgehalt und Wartung.
Die Rechnung, die nicht aufgeht
Bleibt die Frage vom Anfang: Reichen acht Gramm je Stunde für fünfzig Kubikmeter? Um sie zu beantworten, bräuchte man den Tagesverbrauch dieses Beckens in Gramm. Und den gibt es nicht — jedenfalls nicht in einer der Quellen, die vor dem Kauf zur Verfügung stehen.
Geprüft wurden dafür die Produktseiten von dreizehn Geräten aus sieben Marken, die Herstellerseiten, soweit auffindbar, und die Genehmigungsverordnung des Wirkstoffs. Keine dieser Quellen nennt eine Zehrrate — weder in Gramm je Kubikmeter und Tag noch in Gramm je Quadratmeter Wasseroberfläche und Tag noch in irgendeiner anderen Form.
Dieser Artikel erfindet an dieser Stelle keine Faustregel. Es wäre leicht, eine Zahl hinzuschreiben, die plausibel aussieht; sie hätte nur keine Grundlage. Was sich seriös sagen lässt, ist, wovon der Verbrauch abhängt — und das ist genug, um die Gerätewahl in die richtige Richtung zu lenken.
Die Oberfläche, nicht das Volumen
Freies Chlor verschwindet aus einem Becken auf drei Wegen: Es reagiert mit dem, was hineingetragen wird, es zerfällt unter UV-Licht, und es entweicht an der Oberfläche. Zwei dieser drei Wege hängen an der Wasseroberfläche und nicht am Volumen.
Das hat eine unmittelbare Folge für die Auslegung. Zwei Becken mit je fünfzig Kubikmetern — eines flach und breit, eines schmal und tief — haben deutlich verschiedene Oberflächen und damit verschiedenen Chlorbedarf. Die Volumenangabe im Datenblatt kennt diesen Unterschied nicht.
Dieselbe Unterscheidung zwischen Volumen und Fläche entscheidet auch bei der Heizleistung: Das Aufheizen hängt am Volumen, das Halten der Temperatur an der Oberfläche. Bei der Desinfektion ist es ähnlich gelagert, nur dass hier keine Rechnung dazu veröffentlicht wird.
Der zweite große Einflussfaktor ist die Besonnung. Ein Becken in praller Südlage verliert einen erheblichen Teil seines freien Chlors innerhalb eines Tages durch UV-Zerfall; ein beschattetes Becken derselben Maße deutlich weniger.
An dieser Stelle liegt der am wenigsten beachtete Unterschied zwischen den beiden Verfahren. Handelsübliche Chlortabletten bestehen überwiegend aus Trichlorisocyanursäure. Der Isocyanurat-Anteil wirkt als Stabilisator: Er bindet einen Teil des freien Chlors reversibel und schützt es vor dem UV-Zerfall. Wer Tabletten dosiert, bringt den Stabilisator also automatisch mit ein, ohne es zu bemerken.
Eine Salzelektrolyse bringt ihn nicht mit. Sie erzeugt Hypochlorit aus Chlorid, und Isocyanursäure kommt in dieser Reaktion nicht vor. Das erzeugte Chlor steht damit ungeschützt in der Sonne — bei einem gut besonnten Becken ein spürbarer Unterschied im Tagesverlauf.
In der Praxis wird der Stabilisator deshalb bei Salzbecken gesondert zugegeben. Bemerkenswert ist, wie sichtbar das an der Hardware wird: Eine der geprüften Anlagen führt einen zweiten Dosierkanal, der wahlweise Flockungsmittel, Algizid oder Stabilisator fördert. Der Hersteller hat den Bedarf also eingeplant, während die Werbung derselben Warengruppe mit „ohne Chemie" wirbt.
Für die Rechnung bedeutet der Stabilisator zweierlei. Ohne ihn liegt der Tagesbedarf eines besonnten Beckens deutlich höher. Mit ihm reichert er sich an, weil er weder verdunstet noch zerfällt — und ab einer gewissen Konzentration bremst er nicht mehr nur den UV-Zerfall, sondern auch die Desinfektionswirkung selbst. Auch hier hilft dann nur Wasserwechsel. Es ist derselbe Mechanismus wie beim Salz: Was im Kreis läuft und nicht verschwindet, sammelt sich.
Der dritte ist der Badebetrieb. Ein Nachmittag mit acht Personen zehrt mehr als eine Woche Stillstand. Deshalb ist auch eine Anlage, die im Wasser misst und ihre Produktion nachführt, etwas anderes als eine, die nach Zeit läuft.
Beim Badebetrieb kommt eine Unterscheidung hinzu, die in der Rechnung leicht untergeht. Chlor, das mit Stickstoffverbindungen aus Schweiß, Hautschuppen oder Sonnencreme reagiert, verschwindet nicht einfach — es bildet gebundenes Chlor. Dieser Anteil desinfiziert kaum noch, riecht aber und reizt Augen und Schleimhäute. Der typische „Chlorgeruch" eines Bades kommt genau daher und nicht vom freien Chlor.
Für die Auslegung heißt das: Eine Anlage, die knapp bemessen ist, erreicht in der Belastung einen Zustand, in dem viel Chlor im Wasser gemessen wird und wenig davon wirkt. Der Ausweg ist derselbe wie bei jeder anderen Chlorung — mehr freies Chlor, damit das gebundene wieder aufgebrochen wird — und das setzt Reserve in der Erzeugung voraus. Eine Salzanlage nimmt dieses Problem also nicht weg; sie erzeugt dasselbe Chlor auf einem anderen Weg.
Was die Genehmigung nicht regelt
Es liegt nahe, die fehlende Zahl im Regelwerk zu suchen. Der Wirkstoff, den diese Anlagen erzeugen, ist auf europäischer Ebene genehmigt — die Durchführungsverordnung (EU) 2021/345 führt ihn als Aktivchlor, hergestellt aus Natriumchlorid durch Elektrolyse für die Produktarten 2, 3, 4 und 5, gültig vom 1. Juli 2022 bis zum 30. Juni 2032.
Die Produktart 2 erfasst dabei ausdrücklich Schwimmbäder „sowohl im privaten als auch im öffentlichen und industriellen Bereich". Der Gartenpool ist also erfasst.
Was die Genehmigung nicht enthält, ist jede Aussage über Leistung. Sie regelt die Reinheit des Salzes — und sonst nichts, was sich in Gramm je Stunde ausdrücken ließe. Weder eine Mindestleistung noch ein Prüfverfahren noch ein Bezugspunkt für die beworbene Chlorproduktion kommen darin vor. Auch von dieser Seite kommt der fehlende Bezugspunkt also nicht.
Bemerkenswert ist, wie die Verordnung den Wirkstoff überhaupt identifiziert. In der Tabelle des Anhangs stehen für IUPAC-Bezeichnung, EG-Nummer und CAS-Nummer jeweils zwei Worte:Entfällt. Die drei Kennnummern, mit denen jeder Stoff im europäischen Chemikalienrecht geführt wird, sind für diesen Wirkstoff nicht besetzt. Angegeben ist stattdessen die Vorstufe — Natriumchlorid, mit ihrer EG- und ihrer CAS-Nummer.
11 Normenfür das Salz, keine einzige für das Gerät
Für die Auslegung folgt daraus nichts unmittelbar — für das Verständnis dieses Marktes allerdings einiges. Geregelt ist nicht das Gerät, sondern der Stoff, den man hineingibt. Wer die Anforderungen kennen will, die tatsächlich gelten, muss auf den Salzsack schauen und nicht auf das Datenblatt der Anlage. Diese Umkehrung ist im Artikel zum Salz als Biozidprodukt mit dem Verordnungstext und der Auskunft der zuständigen Behörde belegt.
Ein Randbefund zum zeitlichen Rahmen: Der bewertende Mitgliedstaat übermittelte seine Bewertungsberichte am 19. November 2010, die Stellungnahme des zuständigen Ausschusses erging am 16. Juni 2020, die Genehmigung wurde am 1. Juli 2022 wirksam. Zwischen dem Bewertungsbericht und der Genehmigung liegen mehr als elf Jahre. Wer heute eine Anlage kauft, kauft ein Verfahren, dessen Bewertung älter ist als die meisten Geräte, die es ausführen.
Wo das Rechnen endet und das Messen anfängt
Wenn die entscheidende Zahl nirgends steht, bleibt nur, sie am eigenen Becken zu ermitteln. Das ist kein Notbehelf, sondern der übliche Weg — bei Chlortabletten macht es jeder Poolbesitzer ohnehin.
Praktisch heißt das: Im ersten Betriebsmonat wird der Chlorwert regelmäßig gemessen und die Leistungsstufe der Anlage so lange nachgestellt, bis der Wert über den Tag stabil bleibt. Was sich dabei einstellt, ist die Antwort auf die Eingangsfrage — für dieses eine Becken, an diesem Standort, bei dieser Nutzung.
Gemessen wird dabei nicht nur das Chlor. Ein Blick auf die Ausstattung der geprüften Anlagen zeigt, warum: Zwei der vier Fachhandelsgeräte bringen eine Dosierpumpe für die pH-Korrektur mit, bei einem dritten ist ein pH-Modul als Zubehör vorgesehen. Bei einer Bauart, die angeblich nur Salz in Chlor verwandelt, ist das erklärungsbedürftig.
Der Grund liegt in der Chemie des Vorgangs. An der Kathode entsteht neben Wasserstoff auch Hydroxid, und das erzeugte Hypochlorit wirkt im Wasser ebenfalls in Richtung des basischen Bereichs. Der pH-Wert eines Salzwasserbeckens steigt deshalb im laufenden Betrieb und muss gegengesteuert werden — bei Chlortabletten ist es eher umgekehrt, weil Trichlorisocyanursäure sauer wirkt.
Für die Auslegung hat das eine handfeste Folge: Ein zu hoher pH-Wert schwächt die Desinfektionswirkung des vorhandenen freien Chlors erheblich, weil das Gleichgewicht sich vom wirksameren zum weniger wirksamen Anteil verschiebt. Wer nur die Gramm je Stunde vergleicht und den pH-Wert laufen lässt, hat unter Umständen genug Chlor im Wasser und trotzdem zu wenig Wirkung. Die pH-Dosierpumpe ist damit kein Komfortmerkmal, sondern Bestandteil der Auslegung — und wo sie fehlt, wird von Hand nachgesäuert.
Für die Kaufentscheidung folgt daraus eine Reserve. Wer eine Anlage genau an der Kante auslegt, hat bei der ersten Hitzewoche keinen Spielraum mehr. Wer eine Stufe größer wählt, fährt sie im Normalbetrieb auf einer niedrigeren Leistungsstufe — was die Zelle schont, weil weniger Strom durch sie fließt.
Die Alternative zur Reserve ist die Regelung. Eine Anlage, die das Redoxpotenzial oder das freie Chlor misst und die Produktion danach nachführt, stellt sich selbst auf den schwankenden Bedarf ein. Von den fünf geprüften Anlagen im Fachhandelssegment tut das eine; die übrigen laufen nach Zeit und Leistungsstufe.
Zu messen ist außerdem etwas, das mit der Desinfektion nichts zu tun hat und trotzdem über die Lebensdauer der Anlage entscheidet: die Wasserhärte und die Karbonathärte. An der Kathode wird das Wasser örtlich alkalisch, und genau dort fällt Kalk aus. Je härter das Wasser, desto mehr setzt sich auf den Platten ab und desto stärker fällt die Leistung zwischen zwei Umpolungen ab.
Diese Größe steht auf keiner Produktseite dieses Markts — sie kommt vom örtlichen Wasserversorger, der sie veröffentlichen muss. Sie gehört trotzdem in die Vorbereitung, weil sie darüber entscheidet, welches Umpolintervall sinnvoll ist und ob die Selbstreinigung der Zelle ausreicht oder eine gelegentliche Reinigung von Hand dazukommt.
Damit ist die Liste der Größen beisammen, die vor dem ersten Betriebstag feststehen sollten: Fördermenge der Pumpe, Schlauch- oder Rohranschluss, Beckenvolumen, Zielsalzgehalt, Filterlaufzeit, Wasserhärte. Fünf davon stehen am eigenen Aufbau oder beim Wasserversorger. Genau eine — der Zielsalzgehalt — muss vom Hersteller kommen, und genau die fehlt auf den meisten Produktseiten.
Die Reihenfolge, in der zu rechnen ist
Wie das zusammengenommen aussieht, lässt sich an einem durchgerechneten Fall zeigen. Becken mit fünfzig Kubikmetern, Filterpumpe mit 12.000 Litern je Stunde, acht Stunden tägliche Laufzeit, Zielsalzgehalt drei Gramm je Liter nach Herstellerangabe, Anlage mit acht Gramm je Stunde.
- Durchfluss: 12.000 l/h — liegt bei dem einzigen Gerät mit angegebenem Fenster (2.650 bis 12.112 l/h) gerade noch innerhalb. Bei einer stärkeren Pumpe wäre hier Schluss, unabhängig von jeder Leistungsangabe.
- Salzmenge: 50 m³ × 3 g/l = 150 kg für die Erstbefüllung, in Schritten dosiert und zwischendurch gemessen.
- Tagesmenge: 8 g/h × 8 h = 64 Gramm bei voller Stufe.
- Zellenstandzeit: 8 h × 150 Tage = 1.200 h im Jahr. Bei 8.000 Stunden Standzeit sind das gut sechs Saisons.
- Auslegungsfaktor zur Gegenprobe: 8 ÷ 50 = 0,16 — das liegt unter der marktüblichen Spanne. Der Anbieter hat hier also großzügiger ausgelegt als der Markt im Mittel, was für dieses Becken eher Reserve bedeutet.
Was in dieser Aufstellung fehlt, ist der Bedarf. Ob vierundsechzig Gramm am Tag reichen, steht hier nicht und lässt sich vorher auch nicht sagen. Was die Rechnung leistet, ist etwas anderes: Sie zeigt, dass alle übrigen Größen bestimmbar sind — und dass an genau einer Stelle gemessen werden muss.
Die Produktseiten stellen die Chlorproduktion und das Beckenvolumen nach vorn. Nach allem, was sich rechnen lässt, gehören sie nach hinten.
Zuerst kommt, was am vorhandenen Aufbau feststeht: Passt die Anlage an den Kreislauf, und liegt die Fördermenge der Pumpe im zulässigen Fenster? Diese Prüfung entscheidet über die Nachrüstung und ist bei Aufstellbecken die häufigste Bruchstelle; sie steht im Vergleich der Aufstellbecken-Geräte im Einzelnen — und die Einordnung beider Bauarten im Überblick zur Salzelektrolyse.
Dann kommt der Zielsalzgehalt, weil er über die Salzmenge und über alle Metallteile im Kreis entscheidet. Dann die tägliche Filterlaufzeit, weil sie die Tagesmenge bestimmt. Dann die Zellenstandzeit, weil sie den wiederkehrenden Posten der nächsten Jahre beziffert.
Und erst danach die Gramm je Stunde — als Reserve über dem, was das Becken vermutlich braucht, nicht als Zahl, die eine Auslegung ersetzt. Die Beckenangabe daneben ist bei dieser Reihenfolge das, was sie ist: dieselbe Zahl, geteilt durch einen Faktor, den der Anbieter gewählt hat.
Zum Schluss die Gegenprobe, die sich in einer Minute machen lässt und viel über ein Angebot verrät. Man nehme die beworbene Chlorproduktion, teile sie durch die beworbene Beckengröße und schaue auf das Ergebnis. Liegt es zwischen 0,19 und 0,30, ist die Beckenangabe eine Rechnung aus der Leistungsangabe und trägt nichts Eigenes bei. Liegt sie deutlich darunter, hat der Anbieter vorsichtiger ausgelegt als der Markt — für das eigene Becken eher Reserve. Liegt sie darüber, ist es umgekehrt.
Was diese Rechnung nicht ersetzt, sei zum Abschluss noch einmal gesagt, weil es der eigentliche Befund dieses Textes ist. Drei von vier Rechnungen gehen auf: Tagesmenge, Salzmenge, Standjahre. Die vierte — der tatsächliche Bedarf des Beckens — geht nicht auf, weil die dafür nötige Zahl in keiner der geprüften Quellen steht. Kein Hersteller, kein Händler und keine Verordnung nennt eine Zehrrate.
Es wäre einfach gewesen, an dieser Stelle eine Faustregel hinzuschreiben. Sie sähe seriös aus und wäre nicht überprüfbar. Ehrlicher ist die Auskunft, dass diese eine Größe am eigenen Becken gemessen werden muss — und dass alles andere sich vorher ausrechnen lässt, wenn man weiß, welche Zahlen man dafür braucht.
Häufige Fragen
Wie viele Gramm Chlor je Stunde braucht mein Becken?
Sagt die Beckengröße auf dem Datenblatt etwas aus?
Was zählt mehr — die Leistung oder die Filterlaufzeit?
Warum steht auf den Datenblättern „bei 4 % Salzgehalt“?
Wie viel Salz brauche ich für die Erstbefüllung?
Wie lange hält eine Zelle in Saisons gerechnet?
Zählt die Wasseroberfläche oder das Volumen?
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Zuletzt redaktionell geprüft am .
- Ersterstellung. Der Auslegungsfaktor von 0,12 bis 0,30 g/h je m³ ist eine Überschlagsrechnung dieses Projekts über dreizehn Geräte aus sieben Marken und beide Bezugswege; er ist im Text als solche gekennzeichnet und an jeder Produktseite nachprüfbar, die beide Zahlen nennt. Bewusst NICHT angegeben ist eine Zehrrate in Gramm je Kubikmeter oder Quadratmeter und Tag: Geprüft wurden die Produktseiten von dreizehn Geräten, die auffindbaren Herstellerseiten und die Durchführungsverordnung (EU) 2021/345 — keine dieser Quellen nennt eine. Eine Faustregel ohne Grundlage wird nicht erfunden; stattdessen ist der Weg über die eigene Messung beschrieben. Eine Umrechnung der Chlorproduktion auf einen anderen Salzgehalt unterbleibt, weil der Zusammenhang nicht linear ist und keine Kennlinie veröffentlicht wird. Die Angabe zur Jahreslaufzeit von rund 1.200 Betriebsstunden beruht auf acht Stunden täglicher Filterlaufzeit über eine Saison von fünf Monaten und ist eine Annahme dieses Textes.
Verwendete Quellen
- [1]Durchführungsverordnung (EU) 2021/345 der Kommission vom 25.02.2021 — Genehmigung des Wirkstoffs für die Produktarten 2, 3, 4 und 5, gültig 01.07.2022 bis 30.06.2032 · abgerufen 2026-09-02
- [2]Verordnung (EU) Nr. 528/2012, Anhang V — Produktart 2 nennt Schwimmbäder ausdrücklich „sowohl im privaten als auch im öffentlichen und industriellen Bereich“ · abgerufen 2026-09-02
- [3]AquaForte, Herstellerseite B-Clear (SKU TA109) — Auslegung bis 60 m³, Spezifikation ohne Angabe in g/h · abgerufen 2026-09-02
- [4]Poolpowershop, Produktseite AquaForte B-Clear Inverter — dieselbe Artikelnummer mit 15–40 m³ und 12 g/h „bei 4 % Salzgehalt“ · abgerufen 2026-09-02
- [5]Poolpowershop, Produktseite MIDA.Salt — Zellenstandzeit 10.000 h bei 4-h-Umpolung und 18.000 h bei 8-h-Umpolung · abgerufen 2026-09-02
- [6]Intex Salina Krystal Clear, Produktseite B07CD45LXK — 5 g/h bei 26.500 l, Durchflussfenster 2.650–12.112 l/h · abgerufen 2026-09-02
- [7]Umweltbundesamt — Hygiene in Schwimm- und Badebecken, Einordnung zum freien Chlor und zur Desinfektionswirkung · abgerufen 2026-09-02