Ratgeber · E-Scooter
Reichweite gegen Bedingung: warum 80 km nicht 80 km sind
Drei Reichweiten in einem Angebot, zwei Zahlen für dasselbe Gerät: Woher Reichweitenangaben bei E-Scootern kommen und welche Bedingung fast niemand nennt.
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Dreißig Kilometer. Zweiunddreißig oder vierzig. Fünfundzwanzig bis zweiunddreißig. Diese drei Angaben stehen in einem einzigen Kaufangebot für ein einziges Gerät — im Datenfeld, im Titel und im Fließtext derselben Seite.
Damit beginnt dieser Ratgeber, weil der Widerspruch die Sache besser erklärt als jede Einleitung. Eine Reichweitenangabe ohne Bedingung ist keine Eigenschaft des Fahrzeugs. Sie ist das Ergebnis einer Messung — und wer die Messbedingungen ändert, ändert das Ergebnis.
Von fünf Anbietern, deren Angaben für diesen Cluster erhoben wurden, legt genau einer offen, unter welchen Bedingungen er misst. Bei ihm stehen deshalb zwei Reichweiten je Gerät. Bei den anderen vier steht eine — oder, im Eingangsbeispiel, drei widersprüchliche.
Woran sich eine Reichweitenangabe einordnen lässt
- Steht eine Geschwindigkeit dabei?Das ist die wichtigste Bedingung. Ein Hersteller des Felds nennt für dasselbe Gerät 75 Kilometer bei 20 km/h und 80 Kilometer bei 15 km/h — die größere Zahl gilt für das langsamere Tempo.
- Steht ein Fahrergewicht dabei?Derselbe Hersteller misst mit 75 ± 5 Kilogramm Last. Wer deutlich mehr wiegt, kommt nicht so weit; um wie viel weniger, sagt kein Anbieter der Warengruppe.
- Steht ein Fahrmodus dabei?Vier der fünf Geräte haben mehrere Modi, teils von 5 bis 20 km/h. Wird die Reichweite genannt, ohne sie einem Modus zuzuordnen, fehlt die halbe Angabe.
- Stimmen Titel, Datenfeld und Beschreibung überein?Bei einem der fünf Angebote stehen drei verschiedene Reichweiten auf derselben Seite. Bei einem zweiten nennt der Titel 80 Kilometer, während diese Zahl beim Hersteller für 15 km/h gilt, nicht für 20.
- Ist die Akkuangabe plausibel?Zwei Geräte führen im Feld für die Akkukapazität einen Wert in Amperestunden, der tatsächlich die Reichweite in Kilometern ist. Die Zahl stimmt, die Einheit nicht.
- Gibt es überhaupt eine Akkuangabe?Bei einem der fünf Geräte nennt der Anbieter weder Kapazität noch Spannung. Ohne beides lässt sich die Energiemenge nicht angeben — und aus der Reichweite zurückrechnen ist keine Lösung.
Vier Zahlen für ein Gerät
Das Eingangsbeispiel lohnt den genauen Blick, weil es typisch ist und nicht die Ausnahme.
Der Angebotstitel nennt „32/40 km" — zwei Zahlen mit Schrägstrich, weil das Angebot mehrere Modellvarianten zusammenfasst. Das Datenfeld für die maximale Reichweite nennt dreißig. Im beschreibenden Text steht, das Gerät könne „25 bis 32 Kilometer" fahren.
Keine dieser Angaben ist zwingend falsch. Die Varianten haben verschiedene Akkus, das Datenfeld bezieht sich vielleicht auf die kleinste, der Fließtext auf eine Spanne. Nur: Wer wissen will, wie weit das Gerät kommt, das er in den Warenkorb legt, findet auf derselben Seite drei Antworten und keinen Hinweis darauf, welche gilt.
Der Fall ist auch deshalb lehrreich, weil er zeigt, wie solche Widersprüche entstehen. Ein Angebot, das mehrere Modellvarianten unter einer Nummer führt, muss für jedes Feld eine Zahl wählen — und wählt für das Datenfeld womöglich die kleinste, für den Titel die auffälligste und für den Text eine Spanne. Keine dieser Entscheidungen ist für sich genommen unredlich. Zusammen ergeben sie eine Seite, auf der nichts mehr gilt.
Für den Käufer bleibt die Frage, welche der drei Zahlen er seiner Planung zugrunde legt. Die vernünftige Antwort lautet: die kleinste. Nicht weil die anderen erfunden wären, sondern weil eine Reichweite, die knapp reicht, im Zweifel nicht reicht — und weil die kleinste Zahl diejenige ist, die am wenigsten Annahmen braucht.
Dasselbe Muster in abgeschwächter Form beim größten Gerät des Vergleichs. Der Angebotstitel nennt achtzig Kilometer im Eco-Modus und fünfundsiebzig im Sport-Modus. Beim Hersteller steht dieselbe Zahl anders: fünfundsiebzig Kilometer bei zwanzig Kilometern je Stunde, achtzig bei fünfzehn. Der Modusname im Angebot ist also eine Geschwindigkeit beim Hersteller — und die achtzig gelten nicht für die Höchstgeschwindigkeit.
Das ist kein Detail. Wer täglich zur Arbeit fährt, fährt so schnell, wie das Gerät darf. Für ihn ist die Zahl für fünfzehn Kilometer je Stunde die falsche — und es ist die größere von beiden, also die, die im Titel steht.
Bei den drei übrigen Geräten des Vergleichs steht gar keine Bedingung dabei. Eines nennt siebzig Kilometer und hat drei Fahrmodi mit sechs, fünfzehn und zwanzig Kilometern je Stunde, ohne die Reichweite einem davon zuzuordnen. Eines nennt vierzig Kilometer bei zwei Modi. Und eines, das Eingangsbeispiel, nennt drei Zahlen.
Fasst man das zusammen, ergibt sich ein klares Bild der Quellenlage: Bei zwei von fünf Geräten steht eine Reichweite mit ihrer Bedingung, bei zwei weiteren eine ohne, und bei einem stehen drei ohne. Vier von fünf Geräten haben mehrere Fahrmodi, und bei dreien davon wird die Reichweite keinem zugeordnet.
Was eine Reichweitenangabe ist
Eine Reichweite ist kein Bauteil. Sie ist eine Strecke, die sich aus mehreren Größen ergibt: wie viel Energie im Akku steckt, wie viel davon der Antrieb je Kilometer abruft, und wie weit das Fahrzeug damit rollt.
Die erste Größe ist konstant und steht im Datenblatt. Die zweite und dritte hängen an den Umständen: am Gewicht des Fahrers, am Tempo, am Wind, an der Steigung, am Reifendruck, an der Temperatur und daran, wie oft beschleunigt und gebremst wird.
Für die Messung der Nenndauerleistung schreibt die Verordnung ein Verfahren vor. Für die Messung der Reichweite schreibt sie nichts vor, und eine andere verbindliche Vorgabe existiert für diese Warengruppe ebenfalls nicht. Jeder Anbieter misst, wie er will — und muss nicht sagen, wie.
Das ist der Grund, warum zwei Reichweitenangaben verschiedener Hersteller nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Sie können sich auf verschiedene Geschwindigkeiten, verschiedene Fahrergewichte und verschiedene Untergründe beziehen, ohne dass das irgendwo stünde.
Die Verordnung ist an dieser Stelle bemerkenswert selektiv. Sie schreibt für die Nenndauerleistung ein Messverfahren vor und nennt für die Bremsen eine Mindestverzögerung — beides Größen, die die Sicherheit betreffen. Die Reichweite betrifft nur die Brauchbarkeit, und dafür fühlt sich keine Vorschrift zuständig.
Das erklärt auch, warum es hier keinen Prüfbericht gibt, auf den man sich beziehen könnte. Für Automobile existieren genormte Messzyklen mit bekannten Schwächen; für Elektrokleinstfahrzeuge existiert nichts Vergleichbares. Wer Reichweiten vergleicht, vergleicht Herstellerangaben — und tut gut daran, das zu wissen.
Das heißt nicht, dass die Angaben falsch sind. Ein Hersteller, der seine Reichweite sorgfältig misst, hat keinen Grund zu übertreiben; sein Problem ist, dass er dafür keine Anerkennung bekommt, weil neben ihm jemand anders großzügiger misst. Eine gemeinsame Messvorschrift würde das auflösen. Sie existiert nicht.
Der Hersteller, der die Bedingung nennt
Einer der fünf Anbieter macht es anders, und zwar bei beiden seiner Geräte im Vergleich.
Er nennt die Reichweite nicht als einzelne Zahl, sondern in zwei Zeilen: einmal „Reichweite bei maximaler Geschwindigkeit" mit der Geschwindigkeit dahinter, einmal „maximale Reichweite" mit einer niedrigeren Geschwindigkeit dahinter. Und darunter, als Fußnote, steht die vollständige Messbedingung.
Damit ist er der einzige des Felds, bei dem sich eine Angabe auf die eigene Strecke beziehen lässt. Wer weiß, dass mit fünfundsiebzig Kilogramm Last auf ebener asphaltierter Fläche gemessen wurde, kann abschätzen, ob die eigene Situation darüber oder darunter liegt.
Bemerkenswert ist, dass ihn diese Offenheit im direkten Zahlenvergleich schlechter aussehen lässt. Wer eine Reichweite für die Höchstgeschwindigkeit angibt, nennt eine kleinere Zahl als wer nur den Bestwert nennt. Dass er es trotzdem tut, ist der Grund, warum seine Angabe brauchbarer ist als die höheren der anderen.
Dasselbe Muster gab es in einem anderen Cluster dieses Portals schon einmal: Bei Teichbelüftern veröffentlicht genau ein Hersteller eine Kennlinie über der Wassertiefe, und alle anderen nennen den Bestwert an der Oberfläche. Es scheint eine Regel dieser Märkte zu sein, dass Offenheit im Datenblatt eine Minderheitenposition bleibt.
Der Grund dafür liegt auf der Hand. Wer die Bedingung nennt, macht seine Zahl angreifbar und kleiner zugleich. Wer sie weglässt, erscheint im Regal besser. Solange keine Vorschrift die Bedingung verlangt, ist Schweigen die wirtschaftlich naheliegende Wahl — und genau deshalb sagt die Offenheit eines Anbieters etwas über ihn aus, das über die Reichweite hinausgeht.
75 Kilo, 25 Grad, drei Meter je Sekunde
Die Fußnote ist der interessanteste Text des ganzen Datenblatts. Sie nennt sieben Bedingungen.
Gemessen wird mit einer vollständig aufgeladenen neuen Batterie. Die Last beträgt fünfundsiebzig Kilogramm, mit einer Toleranz von fünf. Die Umgebungstemperatur liegt bei fünfundzwanzig Grad, ebenfalls mit fünf Grad Toleranz. Die Windgeschwindigkeit beträgt höchstens drei Meter je Sekunde. Der Luftdruck liegt zwischen sechsundachtzig und hundertsechs Kilopascal. Der Untergrund ist eine ebene, asphaltierte Fläche. Und gefahren wird im Sportmodus bei voller Geschwindigkeit, bis die Batterie erschöpft ist.
Dazu kommt ein zweiter Satz, der die Einflussgrößen benennt: Last, Umgebungstemperatur, Straßenbedingungen, Geschwindigkeit, Reifenluftdruck und Fahrgewohnheiten — ausdrücklich einschließlich der Häufigkeit von Beschleunigung und Bremsung und der Aktivierung der Energierückgewinnung.
Für die Steigfähigkeit nennt derselbe Hersteller eine eigene Bedingung: gemessen bei einer Batterieladung von siebzig Prozent mit zehn Prozent Toleranz, einer Last von fünfundsiebzig Kilogramm und einer Geschwindigkeit von fünfzehn Kilometern je Stunde auf einer zehn Meter langen Steigung.
Wer diese Bedingungen mit der eigenen Lage vergleicht, sieht sofort, wo die Abweichungen liegen. Eine neue Batterie hat man einmal. Fünfundzwanzig Grad hat man im Sommer. Eine ebene asphaltierte Fläche hat man selten über die ganze Strecke.
Auffällig ist, wie viele dieser Bedingungen mit der Jahreszeit zu tun haben. Fünfundzwanzig Grad, wenig Wind, trockene Fahrbahn — das ist ein Sommertag. Ein Arbeitsweg im November erfüllt keine dieser drei Bedingungen, und die Reichweite ist dann eine andere. Um wie viel, sagt auch dieser Hersteller nicht; er nennt die Temperatur nur als Einflussgröße.
Der Punkt mit dem Reifenluftdruck verdient eine eigene Bemerkung, weil er der einzige der sechs Einflussfaktoren ist, den der Fahrer ohne Aufwand beeinflussen kann. Ein Gerät des Vergleichs nennt dafür sogar einen Sollwert: 2,5 bar. Die übrigen nennen keinen — bei zwei Geräten mit Vollgummi- oder Wabenreifen stellt sich die Frage ohnehin nicht. Womit ein Nebenbefund anfällt, der für die Gerätewahl zählt: Waben- und Vollgummireifen brauchen keinen Luftdruck und können folglich keinen verlieren. Sie sind damit gegen eine der sechs Einflussgrößen immun — und handeln sich, nach allem was die Hersteller schreiben, einen Nachteil beim Komfort ein, den keiner von ihnen beziffert.
Zwei Zahlen für dasselbe Gerät
Weil dieser Hersteller zwei Reichweiten nennt, lässt sich etwas ablesen, das sonst niemand zeigt: wie stark das Tempo wirkt.
Beim größeren seiner beiden Geräte stehen fünfundsiebzig Kilometer bei zwanzig Kilometern je Stunde und achtzig bei fünfzehn. Der Unterschied beträgt rund sieben Prozent. Beim kleineren stehen siebenundvierzig Kilometer bei zwanzig und fünfundfünfzig bei fünfzehn — hier sind es rund siebzehn Prozent.
Dass der Unterschied beim kleineren Gerät größer ausfällt, ist kein Widerspruch. Der Luftwiderstand wächst überproportional mit dem Tempo, und wie stark sich das auswirkt, hängt vom Verhältnis zwischen Antriebsleistung und Fahrwiderstand ab. Eine allgemeine Regel lässt sich daraus nicht ableiten, und dieser Ratgeber leitet auch keine ab.
Festhalten lässt sich nur die Beobachtung: Bei den beiden einzigen Geräten des Felds, für die zwei Zahlen vorliegen, nimmt der Sprung von fünfzehn auf zwanzig Kilometer je Stunde zwischen sieben und siebzehn Prozent der Reichweite.
Für die Planung einer Strecke ist das eine nützliche Größenordnung — aber eben nur eine Größenordnung, und sie stammt von zwei Geräten eines einzigen Herstellers. Auf die drei anderen Geräte des Vergleichs lässt sie sich nicht übertragen, weil deren Anbieter weder die Bedingung noch eine zweite Zahl nennen.
Bemerkenswert ist noch ein Drittes: Bei beiden Geräten liegt die Zahl für die Höchstgeschwindigkeit unter der beworbenen. Wer nur den Angebotstitel liest, findet in beiden Fällen die größere — und damit die für den Alltag weniger brauchbare.
Warum die größere Zahl die langsamere ist
Daraus folgt eine Lesehilfe, die bei fast jedem Angebot dieser Warengruppe hilft.
Wenn ein Anbieter eine einzelne, große Reichweite nennt, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Bestwert — gemessen im sparsamsten Modus, bei günstiger Temperatur, mit einem Fahrer im mittleren Gewichtsbereich. Die Zahl für die Höchstgeschwindigkeit liegt darunter, und wie weit, sagt er nicht.
Das erklärt auch den scheinbaren Widerspruch im Angebotstitel des größten Geräts. Dort stehen „80 km Eco Mode" und „75 km in Sport Mode" nebeneinander, und beides stimmt. Nur ist „Eco Mode" beim Hersteller keine Betriebsart, sondern eine Geschwindigkeit: fünfzehn Kilometer je Stunde.
Für den Alltag ist die kleinere der beiden Zahlen die brauchbarere. Wer einen E-Scooter kauft, um damit zur Arbeit zu fahren, fährt in aller Regel so schnell, wie das Gerät darf — also zwanzig. Die Reichweite, die dabei herauskommt, steht bei drei von fünf Anbietern nirgends.
Es lohnt sich, diese Lesehilfe umzudrehen und daraus eine Frage an den Anbieter zu machen: Bei welcher Geschwindigkeit gilt Ihre Reichweitenangabe? Wer sie beantworten kann, hat sie gemessen. Wer sie nicht beantworten kann, hat eine Zahl übernommen.
Eine zweite Frage funktioniert genauso gut und ist noch einfacher: Gilt diese Reichweite für die Höchstgeschwindigkeit? Ein Ja lässt sich prüfen, ein Ausweichen ist selbst eine Antwort.
Was der Akku damit zu tun hat
Die Energiemenge im Akku ist die einzige konstante Größe der ganzen Rechnung. Sie ändert sich nicht mit dem Wetter.
Im Vergleich dieses Clusters reicht sie von dreihundertsechzig bis fünfhundertsiebenundneunzig Wattstunden — Faktor 1,7 zwischen dem kleinsten und dem größten der vier Geräte, die überhaupt eine Angabe machen. Beim fünften fehlt sie ganz.
Interessant ist der Vergleich dieser Spanne mit einer anderen: In der Liste des Kraftfahrt-Bundesamts steht ein Eintrag, dessen sieben Ausführungen sich in der Akkukapazität um genau denselben Faktor unterscheiden — und die alle unter einer Betriebserlaubnis stehen. Was daraus für die Aussagekraft einer ABE folgt, führt der Ratgeber zu ABE und Betriebserlaubnis aus.
Ein zweiter Punkt betrifft die Ladezeit, und dort ist die Spanne im Feld noch größer: von dreieinhalb bis neun Stunden. Das größte Gerät lädt am schnellsten, weil es zwei Ladeanschlüsse hat und mit zwei Netzteilen auf zweieinhalb Stunden kommt. Das schwerste Gerät braucht neun.
Dass das schwerste Gerät am längsten lädt und das größte am kürzesten, wirkt zunächst widersinnig. Es hat aber nichts mit der Akkugröße zu tun, sondern mit der Ladeleistung: Ein Hersteller legt ein stärkeres Netzteil bei oder erlaubt zwei parallel, der andere nicht. Die Ladeleistung nennt nur einer der fünf Anbieter — mit siebzig Watt maximaler Ausgangsleistung.
Für den Alltag ist die Ladezeit die Zahl, die man häufiger spürt als die Reichweite. Wer abends ansteckt und morgens fährt, hat mit neun Stunden kein Problem. Wer zwischendurch nachladen will, schon.
Ein praktischer Punkt dazu: Nur eines der fünf Geräte hat zwei Ladeanschlüsse und kann damit die Ladezeit verkürzen — allerdings nur mit einem zweiten Netzteil, das nach Herstellerangabe gesondert erhältlich ist. Ob sich das lohnt, ist eine Frage der eigenen Nutzung; dieser Cluster nennt dazu keine Beträge.
Wattstunde und Amperestunde
Zwei Einheiten stehen in den Datenblättern, und sie sagen nicht dasselbe.
Die Wattstunde ist ein Maß für Energie. Sie ist die Zahl, die sich zwischen Geräten vergleichen lässt, weil sie Spannung und Kapazität bereits enthält.
Die Amperestunde ist ein Maß für Ladung. Sie ist ohne die zugehörige Spannung nicht aussagekräftig: Zehn Amperestunden bei sechsunddreißig Volt sind etwas anderes als zehn Amperestunden bei sechsundvierzig Komma acht.
Im Vergleich nennen zwei Anbieter Wattstunden, einer nennt beides, einer nennt Volt und Amperestunden getrennt, und einer nennt gar nichts. Wer zwei Geräte vergleichen will, braucht in zwei Fällen einen Zwischenschritt — und in einem Fall bleibt die Frage offen.
Der Zwischenschritt ist eine Multiplikation: Spannung mal Kapazität ergibt die Energie. Zehn Amperestunden bei sechsunddreißig Volt sind dreihundertsechzig Wattstunden. Diese eine Rechnung führt dieser Cluster durch, weil beide Größen vom selben Hersteller stammen und nichts dazugedacht werden muss.
Nicht durchgeführt wird dagegen jede Rechnung, die eine Annahme braucht — etwa ein Verbrauch je Kilometer oder eine Restkapazität nach Jahren. Der Unterschied liegt darin, ob eine Rechnung zwei gegebene Zahlen verbindet oder eine dritte erfindet.
Dieselbe Linie gilt für die Umrechnung von Milliamperestunden in Amperestunden oder von Wattstunden in Kilowattstunden. Das sind Einheitenwechsel ohne Annahme, und die finden im Text statt, wo sie den Vergleich erleichtern. Alles, was darüber hinausgeht, bleibt außen vor.
Die praktische Regel lautet deshalb: Wenn nur Amperestunden dastehen, nach der Spannung suchen. Steht sie nirgends, ist die Angabe für einen Vergleich nicht zu gebrauchen.
Das Feld, das die Reichweite als Kapazität führt
Bei zwei Geräten desselben Herstellers steht im Datenfeld für die Akkukapazität eine Zahl, die keine Kapazität ist.
Beim größeren steht dort „80 Amperestunden". Die tatsächliche Kapazität beträgt knapp dreizehn Amperestunden bei sechsundvierzig Komma acht Volt, was der Hersteller als fünfhundertsiebenundneunzig Wattstunden angibt. Die achtzig ist die maximale Reichweite in Kilometern.
Beim kleineren steht „55 Amperestunden", bei tatsächlich gut zehn. Auch hier ist die Fünfundfünfzig die maximale Reichweite. Der Fehler ist also reproduzierbar und derselbe: richtige Zahl, falsche Einheit, falsches Feld.
Wer die Größenordnung kennt, erkennt so etwas sofort. Achtzig Amperestunden wären bei Fahrzeugspannung eine Energiemenge, mit der ein E-Scooter hunderte Kilometer führe — und ein Akku dieser Größe wöge mehr als das ganze Fahrzeug. Die Angabe scheitert an der Plausibilität, bevor sie an der Einheit scheitert.
Solche Fehler sind kein Einzelfall dieser Warengruppe und auch kein Einzelfall dieses Portals. Bei den Teichbelüftern führten drei von fünf Geräten im Feld für die maximale Förderhöhe die Länge eines mitgelieferten Kabels oder Schlauchs. Das Muster ist dasselbe: Ein Datenfeld verlangt eine Zahl, und irgendeine Zahl wird eingetragen.
Für den Umgang damit gibt es eine einfache Regel: Bei jedem Datenfeld prüfen, ob die Zahl zur Überschrift passen kann. Eine Akkukapazität in der Größenordnung einer Reichweite, eine Förderhöhe in der Größenordnung einer Kabellänge, eine Fahrzeuglänge in der Größenordnung eines Lastwagens — all das fällt auf, sobald man einmal hinsieht.
Bei dem Gerät mit der Zwölf-Komma-Achtzehn-Meter-Angabe half sogar eine Kontrolle an der Verordnung: Elektrokleinstfahrzeuge dürfen höchstens zwei Meter lang sein. Eine Angabe von zwölf Metern kann bei einem zugelassenen Fahrzeug nicht stimmen — man muss dafür nicht einmal wissen, wie groß ein E-Scooter ist.
Was hier nicht ausgerechnet wird
Es wäre verlockend, aus Wattstunden und Reichweite einen Verbrauch je Kilometer zu bilden und diesen Wert auf Geräte zu übertragen, bei denen eine der beiden Zahlen fehlt. Dieser Ratgeber tut das nicht, und der Grund ist nicht Vorsicht, sondern Logik.
Ein solcher Verbrauchswert entstünde aus einer Reichweite, deren Messbedingungen bei drei von fünf Geräten unbekannt sind. Er trüge also eine unbekannte Annahme in sich. Auf ein anderes Gerät übertragen, träfe diese unbekannte Annahme auf eine zweite unbekannte Annahme — nämlich darauf, dass beide Fahrzeuge gleich effizient rollen.
Dasselbe gilt für die umgekehrte Richtung. Aus einer Reichweite auf die Akkukapazität zu schließen, wäre bei dem Gerät, das keine Kapazität nennt, besonders naheliegend und besonders falsch: Man würde die einzige fehlende Größe aus der unsichersten vorhandenen ableiten.
Hinzu kommt ein zweiter Grund, der weniger mit Logik und mehr mit Physik zu tun hat: Nicht alle Fahrzeuge setzen dieselbe Energie gleich in Strecke um. Reifenart, Reifendruck, Gewicht, Lagerreibung und Wirkungsgrad des Motors wirken alle mit. Zwei Geräte mit derselben Akkukapazität können deshalb unterschiedlich weit kommen, und zwar ohne dass eines davon falsche Angaben machte.
Wo dieser Cluster dennoch rechnet, steht es dabei. Ein Ersatzwert trägt im Datenmodell ausdrücklich die Art seiner Herkunft — errechnet, Herstelleraussage oder aus einer Norm abgeleitet — und eine Begründung, die die Rechengrundlage nennt. Ohne diese beiden Angaben gibt es keinen Ersatzwert.
Wo eine Angabe fehlt, steht in diesem Cluster deshalb „nicht angegeben" — mit einer Notiz dazu, was der Anbieter stattdessen nennt. Wie dieses Portal mit Lücken umgeht, beschreibt die Seite zur Methodik.
Was sich stattdessen prüfen lässt
Drei Dinge lassen sich vor dem Kauf klären, und alle drei sind einfacher, als eine Reichweite zu schätzen.
Das erste ist die Frage nach der Bedingung. Wenn ein Anbieter eine Reichweite nennt, kann man ihn fragen, bei welcher Geschwindigkeit und welchem Fahrergewicht sie gilt. Bei einem von fünf Anbietern erübrigt sich die Frage, weil es dasteht.
Das zweite ist die Energiemenge. Wattstunden lassen sich zwischen Geräten vergleichen, auch ohne die Reichweite zu kennen. Wo nur Amperestunden dastehen, fehlt die Spannung — und die steht oft ein paar Zeilen weiter im selben Datenblatt.
Das dritte ist die eigene Strecke. Wer weiß, wie lang sein Arbeitsweg ist, braucht keine Reichweitenangabe zu bewerten, sondern nur zu prüfen, ob selbst die vorsichtigste der genannten Zahlen ausreicht — und zwar für Hin- und Rückweg, falls unterwegs nicht geladen wird.
Ein vierter Punkt kommt hinzu, der sich erst nach dem Kauf klären lässt, aber vorher bedacht sein will: Wie verhält sich das Gerät, wenn der Akku zur Neige geht? Manche Fahrzeuge drosseln die Geschwindigkeit, bevor sie stehen bleiben. Ob und ab wann das geschieht, nennt kein Anbieter des Felds — es entscheidet aber darüber, ob die letzten Kilometer einer Strecke noch mit zwanzig oder nur noch mit zehn Kilometern je Stunde zurückgelegt werden.
Und ein fünfter Punkt, der oft übersehen wird: Zwei der fünf Geräte waren zum Zeitpunkt der Erhebung nur noch in einstelliger Stückzahl lieferbar. Eine Reichweitenangabe nützt wenig, wenn das Gerät dahinter nicht mehr zu bekommen ist — die Lieferbarkeit gehört deshalb zu den Angaben, die vor dem Kauf noch einmal geprüft werden.
Welche Geräte des Felds welche dieser Angaben machen, führt der Vergleich der fünf Geräte Zeile für Zeile auf.
Die Frage, die offen bleibt
Was ein E-Scooter im Alltag tatsächlich schafft, beantwortet dieser Ratgeber nicht. Es gibt dazu keine unabhängige Messung und keine Prüfstelle, die für diese Warengruppe reale Reichweiten ermittelte.
Was es gibt, sind Herstellerangaben — bei einem von fünf Anbietern mit den Bedingungen dazu, bei den übrigen ohne. Mehr ist aus dieser Quellenlage nicht zu holen, und mehr zu behaupten wäre eine Erfindung.
Offen bleibt auch, wie sich die Energiemenge über die Jahre verändert. Kein Anbieter des Felds nennt eine Zahl von Ladezyklen, eine Restkapazität nach einer bestimmten Zeit oder ein Austauschintervall. Das ist bei einem Bauteil, das den größten Einzelposten des Fahrzeugs darstellt, eine auffällige Lücke.
Ebenso offen bleibt die Frage nach dem Ersatz. Ein Anbieter des Felds nennt ein Akkumodell mit einer eigenen Bezeichnung, was darauf hindeutet, dass es als Teil geführt wird. Ob es einzeln erhältlich ist und wie lange, steht nirgends. Bei den übrigen vier Geräten fehlt auch die Modellbezeichnung.
Zum Schluss eine Einordnung, die über dieses Cluster hinausreicht. Die Reichweite ist bei E-Scootern das, was bei Teichbelüftern die Luftmenge und bei Teichpumpen die Förderhöhe ist: die Zahl, mit der geworben wird, für die es keine Messvorschrift gibt und bei der genau ein Anbieter die Bedingung nennt. Das Muster wiederholt sich über Warengruppen hinweg, die sonst nichts miteinander zu tun haben.
Wer es einmal erkannt hat, liest Datenblätter anders. Die Frage lautet dann nicht mehr, welche Zahl größer ist, sondern welche Zahl überhaupt sagt, worauf sie sich bezieht. In diesem Feld sind das zwei von fünf.
Die übrigen drei sind deshalb keine schlechteren Geräte. Sie sind nur schlechter beschrieben — und das ist ein Unterschied, den ein Vergleich benennen muss, ohne ihn zu einer Wertung über die Technik zu machen.
Und offen bleibt schließlich alles, was mit Temperatur zu tun hat. Ein Hersteller nennt einen Betriebstemperaturbereich, ein zweiter eine Ladetemperatur. Was bei Kälte mit der Reichweite geschieht, beziffert keiner — und dieser Ratgeber beziffert es auch nicht. Wie die übrigen Kennwerte der Warengruppe zueinander stehen, ordnet der Überblick über E-Scooter ein.
Häufige Fragen
Warum stehen in einem Angebot mehrere Reichweiten?
Unter welchen Bedingungen wird die Reichweite gemessen?
Warum gilt die größere Reichweite für das langsamere Tempo?
Was ist der Unterschied zwischen Wattstunden und Amperestunden?
Warum steht bei manchen Geräten eine unsinnige Akkukapazität?
Kann man die Reichweite aus der Akkukapazität ausrechnen?
Wie lange hält der Akku eines E-Scooters?
Änderungen an dieser Seite
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- Ersterstellung. Belegart Titelvergleich: Ein Angebot des Felds nennt drei verschiedene Reichweiten auf derselben Seite — 30 km im Datenfeld, 32/40 km im Titel, 25 bis 32 km im Fließtext. Leitbefund: Von fünf Anbietern legt genau einer die Messbedingungen offen (neue Batterie, 75 plus minus 5 kg, 25 plus minus 5 Grad, Wind höchstens 3 m/s, 86 bis 106 kPa, ebene asphaltierte Fläche, Sportmodus bis zur Entladung) und nennt deshalb zwei Reichweiten je Gerät. Der Abstand zwischen 20 und 15 km/h beträgt bei seinen beiden Geräten rund 7 und rund 17 Prozent. Zweiter Befund: Zwei Geräte führen im Datenfeld für die Akkukapazität die Reichweite in Kilometern als Amperestunden (80 statt knapp 13; 55 statt gut 10). Dritter Befund: Die Akkuspanne im Feld beträgt 360 bis 597 Wh, Faktor 1,7 — derselbe Faktor wie zwischen den Ausführungen eines einzigen Registereintrags. Keine Umrechnung von Wattstunden in Reichweite und keine Übertragung von Verbrauchsannahmen zwischen Geräten (Sperre D). Keine Rechtsberatung (A), keine Zulassungszusage (B), keine Tuningbeschreibung (C), keine Unfallaussage (E), keine Aussage zu Akkubränden (F), keine Versicherungsberatung (G), keine Geldbeträge (H), keine Zahl aus einem kostenpflichtigen Normtext (I). Ohne Bausteine geschrieben.
Verwendete Quellen
- [1]Segway — eKickScooter Ninebot MAX G3 D, Spezifikationen mit zwei Reichweiten und der vollständigen Fußnote zu den Messbedingungen · abgerufen 2026-09-20
- [2]Segway — eKickScooter Ninebot E3 Pro D, Spezifikationen mit 47 km bei 20 km/h und 55 km bei 15 km/h · abgerufen 2026-09-20
- [3]Xiaomi Deutschland — Electric Scooter 6 Pro, Akkumodell mit 10 Ah und 468 Wh sowie allgemeine Reichweite ohne Bedingung · abgerufen 2026-09-20
- [4]isinwheel Deutschland — S9Max, Akku mit 36 V und 10 Ah und maximale Reichweite von 40 km · abgerufen 2026-09-20
- [5]Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV), Fassung vom 30.01.2026 — Paragraf 1 Absatz 1 Nummer 3 mit dem vorgeschriebenen Messverfahren für die Nenndauerleistung · abgerufen 2026-09-20