Zum Inhalt springen

Ratgeber · Schweißgeräte

Einschaltdauer Schweißgerät 2026: was 60 % ED wirklich heißen

Prozentwert, Bezugsstrom, Bezugstemperatur: Migatronic weist 135 A bei 20 °C gegen 100 A bei 40 °C aus. So rechnen Sie aus einem Datenblatt die nutzbare Schweißzeit aus.

Verantwortlich
Fachbereich Werkstatt
Erstellt am
Erstellt am

Die Einschaltdauer ist die Zahl, mit der jedes Datenblatt aufmacht: 60 Prozent, 35 Prozent, 15 Prozent. Sie klingt nach einem Gütesiegel, und sie wird auch so gelesen — mehr Prozent ist besser. Tatsächlich beschreibt sie nichts weiter als das Verhältnis zwischen Lichtbogenzeit und Pause innerhalb eines festgelegten Zeitfensters, gemessen bei einem festgelegten Strom und einer festgelegten Umgebungstemperatur. Fehlt eine dieser drei Bezugsgrößen, ist die Prozentzahl kein Kennwert mehr, sondern eine Behauptung ohne Maßstab.

Genau das ist im Heimwerkersegment der Regelfall. Für diesen Cluster wurden die Datenblätter, Betriebsanleitungen und Produktseiten von 25 Marken durchgesehen. Das Ergebnis ist eine Vierteilung: Ein Teil des Felds weist die Bezugstemperatur 40 °C offen aus, ein zweiter versteckt sie im PDF, ein dritter rechnet mit 20 oder 25 °C, und ein vierter nennt gar keine. Zwei Hersteller liefern den Beleg für die Tragweite selbst, weil sie beide Temperaturen für dieselbe Maschine nebeneinanderstellen. Bei Migatronic trennen 35 Prozent Dauerstrom die eine Zeile von der anderen — an derselben Maschine, am selben Tag, nur bei anderer Messtemperatur.

Dieser Ratgeber rechnet das durch. Er zeigt, welche drei Angaben zusammengehören, wie man aus einem Datenblatt die tatsächlich nutzbare Schweißzeit in Minuten ermittelt, und wo die Einschaltdauer in der Praxis wirklich beißt — nämlich nicht dort, wo die meisten sie fürchten. Wo die Quellenlage endet, steht das ausdrücklich dabei. Das ist bei diesem Thema öfter der Fall als üblich, denn der Normtext, aus dem die Definition stammt, ist nicht frei zugänglich.

Die sechs Angaben, ohne die eine Einschaltdauer nicht lesbar ist

  • Der Prozentwert selbstEr allein sagt nur, welcher Anteil eines Zeitfensters unter Last verbracht werden darf. Ohne die folgenden fünf Angaben lässt er sich weder in Minuten umrechnen noch mit einer zweiten Marke vergleichen.
  • Der Strom, bei dem der Prozentwert giltDie Einschaltdauer ist immer ein Paar. 15 Prozent bei 200 A und 100 Prozent bei 77 A stehen im selben Datenblatt derselben Maschine und beschreiben denselben Sachverhalt von zwei Seiten. Wer nur die Prozentzahl notiert, hat den halben Wert.
  • Die BezugstemperaturNach EN IEC 60974-1 gilt der Bezug auf 40 °C. Im Feld wird auch bei 20 °C (Scheppach) und 25 °C (HITBOX) gemessen, und fünf geprüfte Marken nennen überhaupt keine Temperatur. Zwei Werte unterschiedlicher Bezugstemperatur nebeneinanderzustellen, ist ein Fehler in der Größenordnung einer Leistungsklasse.
  • Die SpieldauerDas Zeitfenster, auf das sich die Prozentzahl bezieht. Üblich sind 10 Minuten; manche Geräte rechnen mit 5. Dieselben 20 Prozent bedeuten dann 2 Minuten Lichtbogen statt einer. Im gesamten geprüften Feld nennen nur drei Hersteller die Spieldauer überhaupt.
  • Das Verfahren, für das der Wert giltKombigeräte haben je Betriebsart eigene Werte. Der Scheppach WSE5000-Multi weist drei Reihen aus: MIG 20 Prozent bei 160 A, E-Hand 20 Prozent bei 140 A, Lift-TIG 20 Prozent bei 200 A. GYS trennt beim WIG-Gerät sogar nach Gleich- und Wechselstrom — 25 Prozent bei 160 A gegen 13 Prozent bei 200 A.
  • Die FundstelleDatenblatt, Betriebsanleitung oder Produktseite sind nicht gleichwertig. Bei Migatronic nennen die Verkaufsunterlagen nur die 20-°C-Reihe, das Handbuch beide. Bei ARCCAPTAIN steht im Handbuch 25 Prozent bei 40 °C, auf beiden Webseiten 60 Prozent ohne Temperatur — Faktor 2,4 zwischen zwei Angaben desselben Herstellers.

Vier Größen, die neben der Einschaltdauer über die Arbeitszeit entscheiden

Die Einschaltdauer beschreibt, wie lange das Gerät kann. Ob diese Zeit überhaupt zustande kommt, entscheiden vier weitere Angaben, die in Datenblättern selten neben ihr stehen.

Strom bei 100 Prozent Einschaltdauer
Der einzige Dauerbetriebswert
Über die 15 Geräte der drei Vergleiche dieses Clusters reicht er von 63 A (STAHLWERK ARC 200 MD, bei 40 °C) bis 140 A (Lorch MicorTIG 200, bei 40 °C). Vier Geräte im Feld weisen überhaupt keinen 100-Prozent-Wert aus — dort ist der Dauerbetrieb schlicht nicht beschrieben.
Maximaler Netzstrom I1max
Entscheidet vor der Einschaltdauer
Ein Gerät, das die Sicherung wirft, erreicht seine Einschaltdauer nie. Die Spreizung im Feld ist erheblich: 22,9 A beim Migatronic RallyMIG 161i gegen 43 A beim Stamos S-MMA-250PI.2. Der Kennwert steht bei keinem der geprüften Geräte auf der Verkaufsseite.
Umgebungstemperatur am Aufstellort
Die Bedingung hinter der Zahl
Eine unbelüftete Garage im Sommer liegt näher an 40 °C als an 20 °C. Wer ein Gerät mit 20-°C-Bezug dort betreibt, arbeitet außerhalb der Bedingung, unter der die Zahl ermittelt wurde. Umgekehrt gilt: Der 40-Grad-Wert ist in einer kühlen Werkstatt eine konservative Angabe.
Abkühlverhalten und Thermoschutz
Was nach dem Abschalten passiert
Der Übertemperaturschutz schaltet den Schweißstrom ab, der Lüfter läuft weiter. Die Wiederbereitschaft hängt an Lüfterleistung und Kühlkörpermasse, nicht an der Prozentzahl. Kein Hersteller im geprüften Feld nennt eine Wiederbereitschaftszeit in Minuten.

Alle Geräteangaben stammen aus Datenblättern, Betriebsanleitungen und Produktseiten der jeweiligen Hersteller, erhoben für die drei Gerätevergleiche dieses Clusters. Umrechnungen von Prozentwerten in Minuten sind errechnet, als solche gekennzeichnet und mit den angegebenen Eingangswerten nachrechenbar. Der Wortlaut der zugrunde liegenden Norm ist kostenpflichtig und wird deshalb nicht wiedergegeben; die Fundstellen stehen im Quellenverzeichnis am Seitenende.

Eine Prozentzahl ist keine Aussage

Die Einschaltdauer, im Datenblatt meist als ED abgekürzt, beschreibt ein Verhältnis. In einem festgelegten Zeitfenster darf das Gerät einen bestimmten Anteil unter Last stehen, den Rest braucht es zum Abkühlen. Bei 60 Prozent und einem Fenster von 10 Minuten sind das 6 Minuten Lichtbogen und 4 Minuten Pause. Bei 15 Prozent sind es 1,5 Minuten Lichtbogen und 8,5 Minuten Pause. Die Pause ist dabei kein Vorschlag, sondern die Bedingung, unter der der Stromwert überhaupt gilt.

Damit ist die erste Fehllesart benannt: Die ED ist keine Qualitätsnote. Sie ist eine thermische Angabe über eine bestimmte Bauteilkombination bei einer bestimmten Belastung. Ein Gerät mit 15 Prozent bei 200 A ist nicht schlechter als eines mit 60 Prozent bei 100 A — es kann derselbe Wert derselben Maschine sein. Der STAHLWERK MIG/MAG 200 ST Plus führt genau diese Kette im Handbuch: 15 Prozent bei 200 A, 60 Prozent bei 100 A, 100 Prozent bei 77 A, jeweils bei 40 °C. Drei Zeilen, eine Maschine, drei Prozentzahlen zwischen 15 und 100.

Die Einschaltdauer ist nie eine Zahl, sondern immer ein Tripel: Prozentwert, Bezugsstrom, Bezugstemperatur. Fehlt eine der drei Angaben, lässt sich das Gerät mit keinem zweiten vergleichen.

Daraus folgt die zweite Fehllesart, und sie ist die teurere. Wer zwei Geräte anhand ihrer Prozentzahlen sortiert, sortiert in Wahrheit nach dem Strom, den die Hersteller jeweils als Bezugspunkt gewählt haben. 60 Prozent bei 250 A (Stamos S-MMA-250PI.2) und 60 Prozent bei 82 A (STAHLWERK ARC 200 MD) sind dieselbe Prozentzahl und beschreiben Belastungen, die um den Faktor drei auseinanderliegen. Die Sortierung nach Prozent stellt beide gleich.

Dazu kommt eine dritte Größe, die noch seltener dabeisteht als der Strom: die Temperatur, bei der gemessen wurde. Sie ist der eigentliche Gegenstand dieses Artikels, weil sie sich — anders als der Strom — aus keiner anderen Angabe rekonstruieren lässt. Wer sie nicht findet, kann nur festhalten, dass sie fehlt.

Warum hier kein Normtext steht

Die Einschaltdauer von Lichtbogenschweißstromquellen ist in der EN IEC 60974-1 definiert, in Deutschland als DIN EN IEC 60974-1 (VDE 0544-1) geführt, Ausgabe August 2023, ergänzt um die Änderung A12 vom Mai 2024. Diese Angaben lassen sich über den Normverlag und über die Dokumentseite der DKE prüfen. Was sich dort nicht prüfen lässt, ist der Inhalt: Der Volltext ist kostenpflichtig und steht in keiner frei zugänglichen Quelle.

Das hat für diesen Artikel eine unmittelbare Folge. Die Definition mit einer Spieldauer von 10 Minuten und einer Bezugstemperatur von 40 °C wird hier nicht zitiert, sondern nur als das benannt, was sie ist: der Bezug, auf den sich die Hersteller berufen. Belegen lässt sich dieser Bezug mittelbar — über die Herstellerdokumente selbst. Die Betriebsanleitung der EWM Pico 350 führt in ihren technischen Daten die Zeile „Einschaltdauer ED bei 40 °C" im Klartext. Fronius schreibt in derselben Sache „Schweißstrom bei 10 min / 40°C". Zwei Hersteller, zwei Dokumente, dieselben beiden Zahlen.

Dass die Zahlen mittelbar belegt sind und nicht aus dem Normtext, ist keine Spitzfindigkeit, sondern der Grund, warum dieser Artikel überhaupt nötig ist. Wer als Käufer prüfen will, ob eine Herstellerangabe der Norm entspricht, kommt an den Normtext nicht heran, ohne ihn zu kaufen. Die einzige praktikable Prüfung ist deshalb die untereinander: Man vergleicht, was die Hersteller schreiben, und stellt fest, wer eine Bezugstemperatur nennt und wer nicht. Genau das leistet der nächste Abschnitt.

Ein zweiter Normbezug gehört der Vollständigkeit halber dazu: Die EN 60974-6 gilt für Geräte mit begrenzter Einschaltdauer, die üblicherweise von Laien in nicht gewerblichen Bereichen verwendet werden. Sie ist die Abgrenzung zu Teil 1 und erklärt, warum ein Baumarktgerät und ein Industriegerät nicht nach denselben Regeln beschrieben sein müssen.

Die Temperatur, die im Prospekt fehlt

Der Beweis, dass die Bezugstemperatur den Wert trägt, kommt nicht aus einer Rechnung, sondern aus zwei Datenblättern. Migatronic und Merkle weisen für jeweils eine Maschine beide Temperaturen nebeneinander aus. Damit lässt sich der Unterschied direkt ablesen, ohne Annahme und ohne Umrechnung.

Der Migatronic RallyMIG 161i trägt im Handbuch zwei vollständige Reihen. Bei 20 °C: 100 Prozent bei 135 A, 60 Prozent bei 145 A, 40 Prozent bei 160 A. Bei 40 °C: 100 Prozent bei 100 A, 60 Prozent bei 115 A, 25 Prozent bei 160 A. Dieselbe Maschine, dieselbe Messung, zwei Umgebungstemperaturen. Der Dauerstrom fällt von 135 auf 100 A.

135 gegen 100 ADauerstrom bei 20 °C gegen 40 °C, dieselbe Maschine

35 Prozent Unterschied, allein durch die Messtemperatur. Merkle weist für die HighPULSE touch 280 K dieselbe Doppelangabe aus: 240 A bei 40 °C gegen 280 A bei 20 °C, also 17 Prozent. Beide Werte stammen vom Hersteller selbst und sind nicht errechnet — das ist der Punkt. Wer eine 20-°C-Angabe neben eine 40-°C-Angabe stellt, vergleicht Prüfbedingungen statt Geräten.Quelle: Migatronic RallyMIG 161i, Betriebsanleitung; beide Reihen vom Hersteller nebeneinander ausgewiesen

Beim Migatronic kommt eine zweite Beobachtung dazu, und sie betrifft nicht die Messung, sondern die Veröffentlichung. Die Verkaufsunterlagen zu diesem Gerät nennen nur die 20-Grad-Reihe. Erst das Handbuch stellt beide nebeneinander. Am selben Datensatz lässt sich ablesen, was das für den Leser bedeutet: 160 A sind bei 20 °C mit 40 Prozent Einschaltdauer zulässig, bei 40 °C nur noch mit 25 Prozent. Wer vor dem Kauf das Verkaufsdatenblatt liest und nach dem Kauf das Handbuch, findet dort für denselben Strom eine niedrigere Prozentzahl.

Hier endet, was belegt ist. Belegt sind die Zahlen und die Fundstellen, an denen sie stehen. Nicht belegt ist irgendein Motiv dahinter, und es wird hier auch keines unterstellt. Eine Prospektreihe kann aus vielen Gründen kürzer sein als eine Handbuchtabelle. Für die Kaufentscheidung ist die Ursache ohnehin zweitrangig; was zählt, ist die Konsequenz: Das Verkaufsdatenblatt ist bei diesem Kennwert nicht die letzte Instanz. Die Betriebsanleitung ist es.

Eine Warnung gehört daneben, weil sie sich sonst aufdrängt. Aus dem Migatronic-Paar ließe sich für 160 A ein Verhältnis von 25 zu 40 Prozent bilden, also 0,625. Dieser Faktor gilt für diese Maschine bei diesem Strom und für nichts sonst. Er darf nicht verwendet werden, um 20-Grad-Werte anderer Hersteller auf 40 °C umzurechnen: Wie stark eine Stromquelle bei höherer Umgebungstemperatur nachgibt, hängt an Kühlkörper, Lüfter und Gehäuse, nicht an einem übertragbaren Prozentsatz.

Vier Gruppen, in die der Markt zerfällt

Über 25 geprüfte Marken hinweg sortiert sich das Feld nicht nach Marktsegment und nicht nach Herkunft, sondern danach, wie die Bezugstemperatur dokumentiert ist. Vier Gruppen sind unterscheidbar, und die Zugehörigkeit ist an jedem Datenblatt in zwei Minuten prüfbar.

Vier Dokumentationsgruppen der Einschaltdauer, ermittelt an Datenblättern, Betriebsanleitungen und Produktseiten von 25 Marken für die drei Gerätevergleiche dieses Clusters. Die Beispiele nennen jeweils ein belegtes Modell oder eine belegte Marke.
GruppeWoran erkennbarBelegte BeispieleWas daraus folgt
1 — 40 °C, am Verkaufsort sichtbarDie Bezugstemperatur steht auf der Produktseite, nicht nur im PDF; oft als vollständige Reihe bis zum 100-Prozent-WertSTAHLWERK („Einschaltdauer WIG / MIG (40 °C) 15 % bei 200 A…"), Merkle, Lorch, GYS, KemppiVor dem Kauf prüfbar. Die Werte sind untereinander vergleichbar und lassen sich in Minuten umrechnen
2 — 40 °C, aber nur im DokumentProduktseite nennt nur die Prozentzahl, die Temperatur steht in der Betriebsanleitung oder im Datenblatt-PDFTelwin (Handbuch), ARCCAPTAIN (25 Prozent bei 40 °C im Handbuch gegen 60 Prozent ohne Temperatur auf beiden Webseiten), Güde (mit dem Zusatz „durch Simulation bestimmt")Vor dem Kauf das PDF laden. Bei Abweichungen zwischen Webseite und Handbuch gilt für die Planung die vorsichtigere Angabe
3 — niedrigere BezugstemperaturDer Hersteller nennt ausdrücklich eine andere Temperatur als 40 °CScheppach 20 °C („Der Ausgang ist bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C bemessen"; „40 °C" kommt im Handbuch kein einziges Mal vor), HITBOX 25 °C („Rated duty cycle 35/ 25°C")Nicht mit 40-Grad-Werten in eine Reihe stellen. Eine Umrechnung ist ohne Herstellerangabe nicht möglich
4 — gar keine TemperaturVolltextsuche im Handbuch nach „°C", „Umgebungstemperatur" und „40" trifft nur den Überhitzungsschutz oder den zulässigen BetriebsbereichEinhell TC-IW 170, Holzmann, IPOTOOLS, PATON, Berlan, StamosDer Wert kann nur gleich gut oder besser dastehen, als er bei 40 °C wäre. Für die Planung taugt er nicht; maßgeblich ist dann die Übertemperaturanzeige am Gerät

Zwei Beobachtungen zu dieser Tabelle sind erklärungsbedürftig. Die erste betrifft Güde: Der Hersteller nennt für den Uni-Mig 205 SYN 15 Prozent bei 200 A und 40 °C, ergänzt im Handbuch aber, der Wert sei „durch Simulation bestimmt". Das ist eine ungewöhnlich offene Angabe — sie sagt dem Leser, wie die Zahl zustande kam. Die zweite betrifft die Gruppe 4: Dass eine Temperatur fehlt, heißt nicht, dass bei einer niedrigeren gemessen wurde. Es heißt, dass die Angabe nicht überprüfbar ist.

Der zulässige Betriebsbereich ist nicht die Bezugstemperatur

Bei mehreren Geräten der Gruppe 4 findet sich im Handbuch die Angabe, das Gerät dürfe zwischen minus 10 °C und 40 °C betrieben werden. Diese Zeile beschreibt die zulässige Betriebsumgebung, nicht die Bedingung, unter der die Einschaltdauer ermittelt wurde. Beide zu verwechseln, ist der häufigste Lesefehler an dieser Stelle. Belastbar bleibt dann nur: Der Hersteller gibt den Betrieb bis 40 °C frei, ohne zu sagen, bei welcher Temperatur die Prozentwerte gemessen wurden. Bei einem Gerät im Feld fehlt zudem in der Konformitätserklärung ausgerechnet die EN IEC 60974-1 — dann sind die Werte auch normseitig nicht hinterlegt.

Zehn Minuten sind nicht garantiert

Die zweite Bezugsgröße wird noch seltener genannt als die Temperatur: die Spieldauer, also das Zeitfenster, auf das sich der Prozentwert bezieht. Üblich sind 10 Minuten, und die Herstellerdokumente, die das Fenster überhaupt beziffern, nennen durchgehend diese Zahl. Nur nennen es die wenigsten. Im gesamten für diesen Cluster geprüften Feld führen genau drei Geräte die Spieldauer mit: der WELDINGER ME 130 mini Flux („10-Minuten-Zyklus", Anleitung Seite 5), das GYS-WIG-Gerät (40 °C, Spieldauer 10 min, mit ausdrücklichem Normbezug) und der Merkle LiteTIG 190 DC im Prospekt.

Das ist deshalb bedeutsam, weil in der Praxis auch mit 5 Minuten gerechnet wird. Hinter derselben Prozentzahl steht dann die halbe zusammenhängende Schweißzeit. Für den Anwender macht das einen greifbaren Unterschied, denn eine Naht wird am Stück geschweißt und nicht in Bruchteilen eines Zyklus.

Dieselben 20 Prozent, zwei Spieldauern

Spieldauer 10 Minuten

20 Prozent von 10 Minuten sind 2 Minuten Lichtbogen, gefolgt von 8 Minuten Pause.

Eine 2 Minuten lange Naht lässt sich am Stück fahren. Bei einer Kehlnaht in Zwangslage, wo Absetzen eine Kerbe hinterlässt, ist das der Unterschied zwischen „geht" und „geht nicht".

Spieldauer 5 Minuten

20 Prozent von 5 Minuten sind 1 Minute Lichtbogen, gefolgt von 4 Minuten Pause.

Über eine Stunde gerechnet ist die Gesamtschweißzeit identisch: 12 Minuten. Was sich ändert, ist die maximale Dauer eines einzelnen Stücks — und genau die entscheidet über die Naht.

Die Prozentzahl beschreibt also das Verhältnis, nicht die Länge des Arbeitsgangs. Steht die Spieldauer nicht im Datenblatt — der Regelfall —, bleibt nur die vorsichtige Annahme oder die Rückfrage beim Hersteller unter Angabe der Artikelnummer. Ein Rückschluss aus der Prozentzahl auf das Fenster ist nicht möglich.

Für die Praxis ergibt sich daraus eine einfache Vorsichtsregel. Wer eine Naht plant, die länger dauert als der aus der Prozentzahl errechnete Lichtbogenanteil bei 5 Minuten Spieldauer, plant eine Unterbrechung mit ein — unabhängig davon, was auf dem Karton steht. Bei 60 Prozent sind das 3 Minuten am Stück, bei 35 Prozent 1 Minute 45 Sekunden, bei 15 Prozent 45 Sekunden.

Dieselbe Prozentzahl, drei verschiedene Geräte

Die dritte Bezugsgröße ist der Strom, und er ist die einzige der drei, die praktisch immer dabeisteht. Trotzdem wird sie regelmäßig übergangen, weil die Prozentzahl im Titel steht und der Strom in der Tabelle. Die folgende Übersicht stellt Geräte aus allen drei Gerätevergleichen dieses Clusters nebeneinander — sortiert nicht nach Prozent, sondern nach dem Strom, den sie im Dauerbetrieb halten.

Einschaltdauerreihen aus Herstellerdokumenten, sortiert nach dem Strom bei 100 Prozent Einschaltdauer. Geräte ohne ausgewiesenen 100-Prozent-Wert stehen am Ende. Alle Werte sind Herstellerangaben, keine Messungen.
GerätAusgewiesene ReiheBezugstemperaturStrom bei 100 Prozent
Lorch MicorTIG 200 (WIG)100 % / 140 A · 60 % / 160 A · 25 % bei Maximalstrom40 °C, Datenblatt und Handbuch140 A
Migatronic RallyMIG 161i (MIG), 20-Grad-Reihe100 % / 135 A · 60 % / 145 A · 40 % / 160 A20 °C, Handbuch135 A
IPOTOOLS MMA-160R (E-Hand)100 % / 120 A · 60 % / 160 Akeine ausgewiesen120 A
Merkle LiteTIG 190 DC (WIG)100 % / 115 A · 60 % / 140 A · 25 % / 190 A40 °C, Spieldauer 10 min, Prospekt115 A
Kemppi Minarc Evo 180 (E-Hand)100 % / 115 A · 30 % / 170 A40 °C115 A
Migatronic RallyMIG 161i (MIG), 40-Grad-Reihe100 % / 100 A · 60 % / 115 A · 25 % / 160 A40 °C, Handbuch100 A
GYS (WIG, Gleichstrom)100 % / 95 A · 60 % / 100 A · 25 % / 160 A; im Wechselstrombetrieb 13 % / 200 A40 °C, Spieldauer 10 min, mit Normbezug95 A
STAHLWERK MIG/MAG 200 ST Plus (MIG)100 % / 77 A · 60 % / 100 A · 15 % / 200 A40 °C, Handbuch77 A
WELDINGER ME 130 mini Flux (Fülldraht)100 % / 71 A · 30 % / 130 A40 °C, 10-Minuten-Zyklus, Anleitung Seite 571 A
STAHLWERK ARC 200 MD (E-Hand)100 % / 63 A · 60 % / 82 A · 10 % / 200 A40 °C63 A
Stamos S-MMA-250PI.2 (E-Hand)60 % / 250 A — kein 100-Prozent-Wertkeine ausgewiesennicht ausgewiesen
Güde Uni-Mig 205 SYN (MIG)15 % / 200 A — einziger Punkt, „durch Simulation bestimmt"40 °C, Handbuchnicht ausgewiesen

63 bis 140 ADauerstrom über die Geräte dieses Clusters

Der Faktor zwischen dem niedrigsten und dem höchsten ausgewiesenen Dauerstrom beträgt 2,2 — und er verläuft quer zur beworbenen Maximalleistung. Das Gerät mit 63 A Dauerstrom wird mit 200 A beworben, das mit 140 A ebenfalls mit 200 A. Wer nach der großen Zahl im Produktnamen sortiert, sortiert nach einem Wert, der nur bei 10 bis 15 Prozent Einschaltdauer gilt.Quelle: Herstellerangaben aus Datenblättern und Betriebsanleitungen der drei Gerätevergleiche dieses Clusters, Stand 19.08.2026

Am deutlichsten zeigt sich das Prinzip an den beiden Migatronic-Zeilen: Dasselbe Gerät steht zweimal in der Tabelle, einmal auf Platz zwei und einmal weit darunter, ohne dass sich an der Maschine etwas geändert hätte. Wie die Werte innerhalb der jeweiligen Bauform verteilt sind, steht in den Gerätevergleichen: bei den Schutzgasschweißgeräten mit Drahtvorschub trägt die Einschaltdauer zusammen mit dem Netzstrom die Vergleichstabelle, bei den WIG-Geräten kommt die Trennung nach Gleich- und Wechselstrombetrieb dazu.

Vom Datenblatt zur nutzbaren Schweißzeit

Die folgende Reihenfolge führt von einer Datenblattzeile zu einer Zahl in Minuten. Sie kostet etwa fünf Minuten je Gerät und ist der einzige Weg, zwei Angebote wirklich gegeneinanderzustellen.

  1. Den Strom festlegen, den die eigene Arbeit verlangt. Beim Elektrodenschweißen ist die übliche Rechengröße 30 bis 45 A je Millimeter Elektrodendurchmesser — eine 3,2-mm-Elektrode liegt damit zwischen rund 96 und 144 A. Beim MAG-Schweißen ergibt sich der Strom aus Blechdicke und Drahtdurchmesser. Ohne diese Zahl ist jede Einschaltdauerangabe unbestimmt.
  2. Im Datenblatt die Zeile zu diesem Strom suchen, nicht die mit der höchsten Prozentzahl. Liegt der gewünschte Strom zwischen zwei Zeilen, gilt die ungünstigere. Zwischenwerte lassen sich nicht interpolieren, weil die Kennlinie einer Stromquelle nicht linear verläuft.
  3. Die Bezugstemperatur ablesen. Steht 40 °C dabei, ist der Wert vergleichbar. Steht 20 oder 25 °C dabei, gilt er nur für eine kühle Umgebung. Steht gar nichts dabei, wird die Zahl nicht in eine Reihe mit 40-Grad-Werten gestellt.
  4. Die Spieldauer suchen. Findet sich „10 min" oder „10-Minuten-Zyklus", wird damit gerechnet. Findet sich nichts, wird zusätzlich mit 5 Minuten gerechnet — das ergibt die vorsichtige Untergrenze für die maximale Nahtlänge am Stück.
  5. Die Lichtbogenzeit ausrechnen: Prozentwert mal Spieldauer. 35 Prozent mal 10 Minuten sind 3,5 Minuten Lichtbogen und 6,5 Minuten Pause. 35 Prozent mal 5 Minuten sind 1 Minute 45 Sekunden Lichtbogen und 3 Minuten 15 Sekunden Pause.
  6. Gegen die geplante Naht halten. Eine Kehlnaht von 30 cm bei mittlerer Schweißgeschwindigkeit dauert grob eine bis zwei Minuten. Wer mehrlagig arbeitet, multipliziert mit der Lagenzahl und rechnet das Bürsten zwischen den Lagen als Pause mit.
  7. Den 100-Prozent-Wert notieren. Er ist der einzige Wert, der Dauerbetrieb ohne Pausenrechnung beschreibt. Fehlt er im Datenblatt, ist Dauerbetrieb für dieses Gerät schlicht nicht beschrieben — das ist eine eigene Information.
  8. Den maximalen Netzstrom I1max gegen die Absicherung prüfen. Eine Einschaltdauer, die die Hausinstallation nicht trägt, wird nie erreicht. Der Kennwert steht in keinem der geprüften Fälle auf der Verkaufsseite, sondern im Handbuch.

Ein Beispiel: Für eine 3,2-mm-Elektrode bei rund 120 A weist der STAHLWERK ARC 200 MD zwischen 60 Prozent bei 82 A und 10 Prozent bei 200 A keine eigene Zeile aus — maßgeblich ist damit die ungünstigere. Der Kemppi Minarc Evo 180 nennt 100 Prozent bei 115 A; dort liegen 120 A knapp über der Dauerbetriebsgrenze und weit unter den 170 A, für die 30 Prozent gelten. Beide Angaben sind bei 40 °C ausgewiesen und deshalb direkt vergleichbar.

Der einzige Wert, der Dauerbetrieb beschreibt

Von allen Zeilen einer Einschaltdauerreihe ist eine praktisch unmittelbar verwendbar: die mit 100 Prozent. Sie sagt, welchen Strom das Gerät ohne jede Pause halten darf. Alle anderen Zeilen verlangen eine Nebenrechnung mit der Spieldauer, und diese Nebenrechnung setzt eine Angabe voraus, die meistens fehlt. Der 100-Prozent-Wert setzt nichts voraus außer der Bezugstemperatur.

Deshalb ist die erste Prüfung eines Datenblatts nicht „wie viel Prozent", sondern „bei wie viel Ampere sind es 100 Prozent". Für die Geräte dieses Clusters liegt die Antwort zwischen 63 und 140 A. Zum Einordnen: 63 A tragen eine 2,0-mm-Elektrode komfortabel und eine 2,5-mm-Elektrode am unteren Rand ihres Bereichs. 140 A tragen eine 3,2-mm-Elektrode im Dauerbetrieb. Das ist ein Unterschied im Arbeitsbereich, nicht in der Bequemlichkeit.

Vier Geräte im geprüften Feld weisen überhaupt keinen 100-Prozent-Wert aus. Bei zweien endet die Reihe bei 60 Prozent, bei zweien besteht sie aus einem einzigen Punkt. Der Güde Uni-Mig 205 SYN ist der klarste Fall: 15 Prozent bei 200 A, sonst nichts. Aus dieser einen Angabe lässt sich weder ein Dauerstrom noch ein mittlerer Arbeitspunkt ableiten. Für die Planung bedeutet ein fehlender 100-Prozent-Wert nicht, dass das Gerät keinen Dauerbetrieb kann — es bedeutet, dass der Hersteller ihn nicht beziffert.

Kurz gefasst

Drei Fragen an jedes Datenblatt, in dieser Reihenfolge: Bei wie viel Ampere stehen 100 Prozent? Bei welcher Temperatur wurde gemessen? Und auf welche Spieldauer beziehen sich die Prozentwerte darunter? Wer alle drei beantworten kann, hat ein vergleichbares Gerät vor sich. Wer keine beantworten kann, hat eine Prozentzahl.

Wo die Einschaltdauer beißt und wo nicht

Zum vollständigen Bild gehört ein Gegenbefund, der in Vergleichsartikeln praktisch nie auftaucht: Beim Elektrodenschweißen im Hobbybereich ist die Einschaltdauer häufig unkritisch. Der Grund liegt im Verfahren. Eine Stabelektrode ist nach ein bis drei Minuten heruntergebrannt, danach wird gewechselt. Zwischen den Nähten wird umgesetzt, ausgerichtet, geheftet, geschlackt und gebürstet. Die Pausen entstehen von selbst, und sie sind länger als das, was die Prozentzahl verlangt.

Umgekehrt gibt es drei Konstellationen, in denen die Einschaltdauer unmittelbar über die Arbeit entscheidet. Erstens das MAG-Schweißen in Zwangslage: Dort ist Absetzen teuer, weil jeder Wiederansatz eine Fehlerstelle ist. Zweitens mehrlagige Nähte an dickeren Querschnitten: Die Lagen kommen kurz hintereinander, und die Zwischenlagentemperatur soll nicht auskühlen. Drittens das Aluminium-WIG-Schweißen: Wechselstrombetrieb belastet die Stromquelle stärker, was sich in getrennten Datenblattzeilen niederschlägt — beim GYS-Gerät 25 Prozent bei 160 A im Gleichstrom- gegen 13 Prozent bei 200 A im Wechselstrombetrieb.

Die Einschaltdauer beißt dort, wo der Lichtbogen lange am Stück brennt — nicht dort, wo viel geschweißt wird. Das sind zwei verschiedene Dinge.

Daraus folgt eine praktische Gewichtung für den Kauf. Wer überwiegend mit Stabelektroden an Zäunen, Anhängern und Reparaturen arbeitet, gewichtet die Leerlaufspannung eines Elektrodengeräts höher als dessen Einschaltdauer — dort entscheidet die Spannungsreserve darüber, ob eine basische oder eine Zellulose-Elektrode überhaupt sauber zündet. Wer Bleche im Karosseriebereich oder Rahmen in Zwangslage fügt, dreht diese Reihenfolge um.

Bemerkenswert ist, wie unbekannt der Zusammenhang mit der Bezugstemperatur ist. Für die Vorbereitung dieses Clusters wurden rund 110 deutschsprachige Forenthreads zum Thema Schweißgerätekauf volltextlich gelesen. Genau eine Fundstelle spricht 20 °C gegen 40 °C überhaupt an. Beschrieben wird stattdessen durchgehend das Ergebnis: „schaltet nach zwei Elektroden ab", „das Gerät ist Schrott". Die Einschaltdauer wird als Enttäuschung erlebt und nicht als Kennwert erkannt.

Einschaltdauer und Steckdose hängen zusammen

Eine Einschaltdauer wird nur erreicht, wenn die Hausinstallation die dazugehörige Stromaufnahme trägt. Das ist keine theoretische Einschränkung: Der häufigste Grund, an dem ein Schweißgerätekauf im Hobbybereich scheitert, ist nicht die Schweißtechnik, sondern die Absicherung. Der Kennwert dafür heißt I1max, der maximale Netzstrom, und er steht bei keinem der für diesen Cluster geprüften Geräte auf der Verkaufsseite.

Die Spreizung ist erheblich und verläuft gegen die Erwartung. Der Migatronic RallyMIG 161i liefert 160 A Schweißstrom bei 22,9 A Netzstrom und 13,0 A Effektivwert; empfohlen ist eine 16-A-Absicherung mit C-Charakteristik. Der Kemppi Minarc Evo 180 kommt mit 24 A I1max aus. Am anderen Ende ziehen der Güde Uni-Mig 205 SYN und der STAHLWERK MIG/MAG 200 ST Plus je 38 A beim Elektrodenschweißen, der Stamos S-MMA-250PI.2 sogar 43 A. Alle drei werden mit Schukostecker ausgeliefert.

Der Zusammenhang zur Einschaltdauer ist direkt. I1max ist der Strom bei maximaler Leistung, also bei der niedrigsten Prozentzahl der Reihe. Der Effektivwert I1eff fällt deutlich niedriger aus, weil er die Pausen einrechnet — beim STAHLWERK 14,7 A gegen 38 A, beim Migatronic 13,0 A gegen 22,9 A. Genau deshalb hängt die Auslegung der Absicherung an I1eff und die Frage, ob der Automat beim Zünden auslöst, an I1max und an der Charakteristik. Eine normative Vorgabe zur Auslösecharakteristik existiert nicht; belegbar sind nur Herstellerangaben am Einzelgerät, und die reichen von „Typ C, träge" ohne Amperezahl bis zu gar keiner Empfehlung.

Wer hier weiterrechnen will, findet die Netzseite vollständig im Geschwisterartikel zum Netzanschluss mit 230 oder 400 Volt: Dort stehen die Schwellen, ab denen die Hersteller auf Drehstrom wechseln, die Schieflastregel und die EMV-Emissionsklassen, die über den Aufstellort im Wohngebiet entscheiden. Für diesen Artikel bleibt die Reihenfolge: erst prüfen, ob das Gerät an der vorhandenen Dose überhaupt läuft, dann die Einschaltdauer bewerten.

Was eine knappe Einschaltdauer im Betrieb kostet

Der laufende Aufwand einer zu knapp bemessenen Stromquelle entsteht nicht an der Stromrechnung. Er entsteht an vier Stellen, und drei davon sind Zeit statt Material. Die erste ist die Wartezeit selbst. Bei 15 Prozent Einschaltdauer und 10 Minuten Spieldauer stehen 1,5 Minuten Lichtbogen gegen 8,5 Minuten Pause. Wer einen Anhängerrahmen mit rund 40 Minuten reiner Lichtbogenzeit heftet und ausschweißt, verbringt an diesem Gerät rechnerisch mehr als vier Stunden am Bauteil.

Die zweite Stelle sind Schleif- und Bürstarbeiten an Ansatzstellen, die es ohne Zwangspause nicht gäbe: Jeder Wiederansatz einer Kehlnaht braucht Vorbereitung, bei Sichtnähten wird er zusätzlich verschliffen. Die dritte ist der Gasverbrauch bei Geräten mit Drahtvorschub, denn er hängt an der Lichtbogenzeit und nicht an der Kalenderzeit.

Die vierte Stelle betrifft das Gerät selbst. Der Übertemperaturschutz ist eine Schutzfunktion und kein Verschleißteil, aber sein Ansprechen beschreibt eine Belastung, die tatsächlich stattgefunden hat. Für die Instandhaltung gilt unabhängig davon die Prüfpflicht: Die DGUV Vorschrift 3 nennt in Tabelle 1B für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel einen Richtwert von sechs Monaten, und die DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen" führt für Lichtbogenschweißeinrichtungen dieselben sechs Monate. Das Prüfverfahren steht in der DIN EN IEC 60974-4. Der Richtwert gilt allgemein für ortsveränderliche Betriebsmittel und ist keine Folge der Einschaltdauer — er gehört trotzdem in dieselbe Betriebskostenrechnung.

Welche Kostenarten die Gasflasche mitbringt und wie die Frage nach dem Flaschenmodell zu stellen ist, klärt der Ratgeber Schutzgas oder Fülldraht.

Wo die Angabe im Handel steht — und wo nicht

Die Einschaltdauer ist der erste Entscheidungsfaktor bei diesem Produkt und zugleich der Kennwert, den kein geprüfter Shop filterbar macht. Die Facetten der Kategorieseiten heißen „Verfügbarkeit, Marke, Grundfarbe, Breite, Tiefe, Höhe" bei einem Baumarkt und „Tragbar, Kompakt, Mit Puls Lichtbogen" bei einem Schweißfachhandel. Nach Einschaltdauer, nach Dauerstrom oder nach Netzanschluss lässt sich in keinem der geprüften Shops sortieren.

Die vollständigste Angabe im Handel steht dabei nicht dort, wo man sie vermuten würde. Zwei Baumärkte führen die Einschaltdauer eines Herstellers samt Bezugstemperatur und Stromzuordnung im Klartext auf der Produktseite — weil sie den Herstellertext ungekürzt übernehmen. Ein spezialisierter Schweißfachhandel nennt bei einem Industriegerät dagegen gar keine Einschaltdauer. Die Dokumentationsqualität hängt an der Marke und daran, wie ihr Text durchgereicht wird, nicht am Vertriebskanal.

Ein zweiter Befund betrifft die Beschaffbarkeit der Dokumente. Von 25 geprüften Marken war die Konformitätserklärung bei drei frei herunterladbar; bei mehreren existiert überhaupt kein öffentliches Herstellerdokument. Ein Hersteller gibt Betriebsanleitungen nur gegen Kunden- und Rechnungsnummer heraus — ausgerechnet der mit der besten Einschaltdauerangabe auf der Produktseite. Vor dem Kauf ist die Angabe dort prüfbar, das Dokument nicht.

Symptom, Ursache, Lösung

Die meisten Beschwerden über eine zu geringe Leistung beschreiben keinen Defekt, sondern einen Betrieb außerhalb der Bedingungen, unter denen die Datenblattzahl gilt. Die folgende Zuordnung sortiert die Prüfreihenfolge: erst Strom und Zeit, dann Umgebung, dann Netzseite — und erst zuletzt das Gerät.

Typische Beobachtungen rund um die Einschaltdauer, ihre wahrscheinliche Ursache und die Korrektur
SymptomWahrscheinliche UrsacheLösung
Das Gerät schaltet nach kurzer Zeit ab, die Übertemperaturanzeige leuchtetBetrieb oberhalb der Einschaltdauer beim eingestellten Strom, häufig in Verbindung mit einer Bezugstemperatur, die niedriger liegt als die Werkstatt: 20 oder 25 °C im Datenblatt gegen deutlich mehr in der Garage im SommerDen Strom auf die Zeile mit der nächsthöheren Prozentzahl senken oder die Pausen nach der errechneten Spieldauer einhalten. Für Dauerbetrieb den 100-Prozent-Wert des Datenblatts als Obergrenze nehmen
Die Naht wird gegen Ende einer langen Schweißung schlechterDas Gerät nähert sich der Abschaltschwelle, während der Bediener denselben Strom weiterfährt; bei Kombigeräten zusätzlich verwechselte Verfahrensreihe — die MIG-Zeile gilt nicht für den E-Hand-BetriebLange Nähte in Abschnitte teilen, die kürzer sind als die errechnete Lichtbogenzeit. Im Datenblatt die Reihe des tatsächlich genutzten Verfahrens heraussuchen
Die Sicherung fliegt, bevor der Thermoschutz überhaupt ansprichtDer maximale Netzstrom I1max liegt über dem, was der Stromkreis trägt: 38 bis 43 A bei mehreren geprüften Geräten gegen eine 16-A-Absicherung. Die Auslösecharakteristik passt nichtI1max und I1eff aus dem Handbuch holen, die Herstellerangabe zur Absicherung suchen und den Anschluss mit einer Elektrofachkraft festlegen. Vorher hilft ein niedrigerer Schweißstrom, nicht ein anderes Verlängerungskabel
Die Anzeige des Geräts passt nicht zu der Zeit, die tatsächlich geschweißt werden kannDie Prozentzahl bezieht sich auf eine andere Spieldauer als angenommen, oder sie gilt für einen anderen Strom als den eingestelltenLichtbogenzeit einmal mit der Uhr messen und gegen die Rechnung halten: Prozentwert mal Spieldauer. Weicht das Ergebnis ab, ist die Spieldauer kürzer als 10 Minuten oder der Bezugsstrom ein anderer
Zwei Geräte mit identischer Prozentangabe verhalten sich völlig verschiedenUnterschiedlicher Bezugsstrom hinter derselben Prozentzahl, unterschiedliche Bezugstemperatur oder beides. 60 Prozent bei 250 A und 60 Prozent bei 82 A stehen beide im geprüften FeldNicht die Prozentwerte vergleichen, sondern die Ströme bei 100 Prozent — und nur Werte gleicher Bezugstemperatur nebeneinanderstellen
Im Handbuch steht eine andere Einschaltdauer als auf der ProduktseiteZwei Herstellerquellen widersprechen sich. Belegte Fälle im Feld: 25 Prozent im Handbuch gegen 60 Prozent im Web, und ein 60-Prozent-Wert, der für den Betrieb an 115 V gilt statt an 230 VFür die Planung die vorsichtigere Angabe verwenden und die Netzspannung prüfen, für die der Wert gilt. Beim Hersteller unter Angabe der Artikelnummer nachfragen und die Antwort schriftlich erbitten
Der Dauerbetrieb gelingt im Winter mühelos und im Sommer nichtDie Bezugstemperatur der Angabe liegt unter der tatsächlichen Umgebungstemperatur. Beim einzigen Gerät im Feld mit beiden Reihen trennen 35 Prozent Dauerstrom die 20-Grad- von der 40-Grad-ZeileAufstellort belüften und den Lüftungsabstand einhalten. Wo die Bezugstemperatur fehlt, die Übertemperaturanzeige als maßgebliche Grenze nehmen und nicht die Prozentzahl

Fünf der sieben Zeilen enden bei derselben Korrektur: weniger Strom oder mehr Pause. Das ist kein Zufall, sondern die Umkehrung der Einschaltdauerdefinition — Strom und Zeit sind die beiden Größen, zwischen denen die Prozentzahl vermittelt. Wie die einzelnen Bauformen dabei auseinanderlaufen und welcher Kennwert in welcher Gerätegattung zuerst zählt, ordnet der Überblick zu Schweißgeräten nach Bauform ein.

Häufige Fragen

Was bedeutet 60 % Einschaltdauer bei einem Schweißgerät?
Dass das Gerät innerhalb eines festgelegten Zeitfensters 60 Prozent der Zeit unter Last stehen darf und den Rest zum Abkühlen braucht. Bei einem Fenster von 10 Minuten sind das 6 Minuten Lichtbogen und 4 Minuten Pause. Die Angabe gilt immer nur bei einem bestimmten Strom und bei einer bestimmten Umgebungstemperatur. Ohne diese beiden Bezugsgrößen lässt sich die Prozentzahl weder in Minuten umrechnen noch mit einem zweiten Gerät vergleichen.
Warum sind 20 °C und 40 °C bei der Einschaltdauer nicht dasselbe?
Weil die Zahl von der Wärmeabfuhr abhängt und die wiederum von der Umgebungstemperatur. Zwei Hersteller weisen beide Reihen für dieselbe Maschine aus und machen den Unterschied damit ablesbar: Der Migatronic RallyMIG 161i hält 135 A bei 20 °C im Dauerbetrieb, aber nur 100 A bei 40 °C — 35 Prozent Unterschied. Merkle nennt für die HighPULSE touch 280 K 280 A gegen 240 A. Nach EN IEC 60974-1 ist der Bezug 40 °C.
Welche Bezugstemperatur nennen die Hersteller im Heimwerkersegment?
Vier Gruppen sind unterscheidbar. Fronius, EWM, Kemppi, Cebora, GYS, ESAB, STAHLWERK und Elmag weisen 40 °C aus. Eine zweite Gruppe nennt die Temperatur nur im PDF, nicht auf der Produktseite. Scheppach rechnet ausdrücklich bei 20 °C, HITBOX bei 25 °C. Und Einhell, Holzmann, IPOTOOLS, PATON sowie Berlan nennen überhaupt keine Temperatur. Güde nennt 40 °C mit dem Zusatz, der Wert sei durch Simulation bestimmt.
Auf welchen Wert im Datenblatt kommt es praktisch an?
Auf den Strom bei 100 Prozent Einschaltdauer. Er ist der einzige Wert, der Dauerbetrieb ohne Pausenrechnung beschreibt, und er ist mit einer zweiten Marke direkt vergleichbar, solange die Bezugstemperatur übereinstimmt. Über die Geräte dieses Clusters reicht er von 63 A bis 140 A, jeweils bei 40 °C. Vier Geräte im geprüften Feld weisen gar keinen 100-Prozent-Wert aus — dort ist der Dauerbetrieb schlicht nicht beziffert.
Sind zehn Minuten Spieldauer garantiert?
Nein. Zehn Minuten sind der übliche Bezug, aber es wird auch mit fünf gerechnet, und hinter derselben Prozentzahl steht dann die halbe zusammenhängende Schweißzeit: 20 Prozent bedeuten einmal 2 Minuten Lichtbogen, einmal 1 Minute. Über eine Stunde gerechnet ist die Summe gleich, die maximale Nahtlänge am Stück nicht. Im geprüften Feld nennen nur drei Geräte die Spieldauer überhaupt — WELDINGER, GYS und Merkle.
Wie rechne ich aus einem Datenblatt die nutzbare Schweißzeit aus?
Zuerst den Strom festlegen, den die eigene Arbeit verlangt, dann im Datenblatt die Zeile zu genau diesem Strom suchen — nicht die mit der höchsten Prozentzahl. Danach Bezugstemperatur und Spieldauer ablesen und multiplizieren: 35 Prozent mal 10 Minuten ergeben 3,5 Minuten Lichtbogen und 6,5 Minuten Pause. Fehlt die Spieldauer, zusätzlich mit 5 Minuten rechnen; das ergibt die vorsichtige Untergrenze für eine Naht am Stück.
Ist die Einschaltdauer beim Elektrodenschweißen überhaupt kritisch?
Im Hobbybereich häufig nicht. Eine Stabelektrode ist nach ein bis drei Minuten heruntergebrannt, danach wird gewechselt, umgesetzt, geheftet und geschlackt — die Pausen entstehen von selbst. Kritisch wird die Einschaltdauer in drei Fällen: beim MAG-Schweißen in Zwangslage, wo jeder Wiederansatz eine Fehlerstelle ist, bei mehrlagigen Nähten und beim Aluminium-WIG-Schweißen, wo der Wechselstrombetrieb die Stromquelle stärker belastet.
Kann ich beim Kauf nach Einschaltdauer filtern?
In keinem der für diesen Cluster geprüften Shops. Die angebotenen Facetten heißen „Verfügbarkeit, Marke, Grundfarbe, Breite, Tiefe, Höhe" bei einem Baumarkt und „Tragbar, Kompakt, Mit Puls Lichtbogen" bei einem Schweißfachhandel. Weder Einschaltdauer noch Dauerstrom noch Netzanschluss sind sortierbar. Die Angabe muss deshalb je Gerät auf der Produktseite und im Handbuch von Hand nachgelesen werden.

Änderungen an dieser Seite

Zuletzt redaktionell geprüft am .

  1. Ersterstellung. Kernartikel des Clusters zum ersten Entscheidungsfaktor Einschaltdauer. Grundlage sind die Einschaltdauerangaben von 25 Marken aus der Marktprüfung sowie die Gerätewerte der drei Vergleiche dieses Clusters. Der Wortlaut der EN IEC 60974-1 ist kostenpflichtig und wird nicht zitiert; der Bezug auf 10 Minuten und 40 °C ist mittelbar über Herstellerdokumente belegt und im Text als solcher gekennzeichnet. Die abweichenden Bezugstemperaturen sind als Zahlen und Fundstellen wiedergegeben, ohne Aussage über die Motive dahinter.

Verwendete Quellen

  1. [1]DIN EN IEC 60974-1:2023-08 (VDE 0544-1) — Schweißstromquellen · abgerufen 2026-08-19
  2. [2]DKE-Dokumentseite DIN EN IEC 60974-1 (VDE 0544-1):2023-08 · abgerufen 2026-08-19
  3. [3]DIN EN IEC 60974-1 Änderung A12:2024-05 · abgerufen 2026-08-19
  4. [4]EWM Pico 350 — Betriebsanleitung, Kapitel Technische Daten · abgerufen 2026-08-19
  5. [5]EWM Schweißlexikon WM055100 · abgerufen 2026-08-19
  6. [6]DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen" · abgerufen 2026-08-19